Feininger, Lyonel, deutsch-amerikanischer Maler, Graphiker und Karikaturist (1871-1956). 7 (davon 6 eigenh. und 1 ms.) Briefe mit eh. U.New York, Stockbridge Mass. und o. O., 1938 bis 1948.

Freundschaftliche Korrespondenz mit dem Arzt und Sammler Wilhelm Mayer und Gattin über sein Leben und Schaffen in New York: "Es ist so manches in letzter Zeit passirt, das uns die einheimischen Kunstgepflogenheiten beleuchtet und wir sind in keiner sehr zuversichtlichen Verfassung bezüglich eines Weiterkommens. Seit vielen Monaten hatten wir keine pekuniären Erfolge, trotz aller Begeisterung, die meine Werke auslösten; es geht uns in allernächster Zeit so, dass wir mit Ersparnissen zuende [sic] sein werden. Ein Auftrag für die N. Y. World's Fair, der nachdem alle meine Entwürfe bei allen in Frage kommenden Stellen Zustimmung und Begeisterung erfuhren, ist plötzlich fürs Erste ins Wasser gefallen, weil die für meine Arbeit ausgesetzten Gelder 'anderweitige' Verwendung […] fanden! Und da ich nur eine mündliche Vereinbarung vorweisen kann, lehnen alle Parteien die Verantwortung ab. Das sind alles Leute von grossem Namen und Ansehen … Well, ich schreibe nicht, um Sie mit unseren Sorgen zu plagen, aber dieser Fall hat unsere Hoffnungen schwer getroffen […] In Ausstellungen gehen wir hin- und wieder; Barlach, Lehmbruck und Marcks waren bei Buchholz Gallery gezeigt; sehr schön. Piero di Cosimo bei Schaeffer, im Herbst. Zu den modernen Malern kommen wir gar nicht oft. Aber Klee hatte zwei glänzende Ausstellungen im Winter. In Konzerte sind wir noch nie gegangen, aber neulich war ein sehr schöner Abend in der Galerie Schaeffer zu der [!] wir eingeladen wurden: An Hour of Old Music; auf Harpsichord, viola da gamba und violin; Bach, Haendel, Rameau, Couperin, Scarlatti; hervorragend schön gespielt. Wir leben sonst denkbar still. […]" (10. III. 1939).

"Was Sie über 'verhundertfachter Korrespondenz' schreiben, verstehen wir hier nur zu wohl! Es ist so vieles was aus Deutschland auf uns hereinstürmt und das Herz schwer macht! Wir kommen aus diesem Drucke kaum mehr heraus […]" (21. VII. 1948).

Feininger, Lyonel, deutsch-amerikanischer Maler, Graphiker und Karikaturist (1871-1956). 10 eigenh. Briefe mit U. und 1 eh. Werkverzeichnis mit U.Berlin, 1917-1919.

Selten inhaltsreiche Korrespondenz mit dem Arzt und Sammler Wilhelm Mayer und Gattin über seine Arbeiten, die er in Auswahl übersendet (22. XI. 1917), seine Einzelausstellung in der Galerie Neue Kunst Hans Goltz (23. II. und 27. IV. 1918), sein Klavierspiel und die Leidenschaft für Dostojewksi ("Das ist keine 'Literatur': Mit ihm 'liebt' man die Menschheit; man versteht die armen, verwirrten Geschöpfe, und erfasst sie in ihrem Elend, oder in ihrem wundervollen Heldentum", 18. V. 1918), seine im Krieg verdächtige amerikanische Staatsbürgerschaft (23. II. 1918), die künstlerischen Versuche seines Sohnes, "die ich auf (pardon!) Closettpapier drucke" (10. V. 1918) und schließlich die Niederlage Deutschlands: "Es ist schwer, jawohl! Es ist tragisch, was jetzt mit Deutschland geschieht. Nicht, dass es, nach vier Jahren unerhörten Ringens sich endlich, gegenüber der Welt die sich gegen es zusammengetan hatte, als besiegt beugen musste. Nein! Aber, dass es, nach dieser grossen, heldenhaften Geste, dieser heroenhaften Demütigung, sich keinem edlen Feinde gegenüber befindet. Sie haben Deutschland in diesen Krieg hineingelockt mit mörderischem, vernichtendem Vorsatze, und sie bleiben Mörder und und [sic] rachsüchtige Wilde, ohne Barmherzigkeit, Ritterlichkeit oder überhaupt blosser Menschlichkeit: es sind Tobsüchtige, die die empfangenen Schläge, die sie so lange erhielten, nicht als verdient, als bewundernswerte Abwehr eines mächtigen und edlen Gegners, hinzunehmen wussten. Es ist erschütternd, dieses mächtige deutsche Volk vergeblich um Schluss des Mordens flehen zu sehen. Wer ist denn da, der es versteht? Als Antwort erhält es, von Schulmeistern und Rechtsanwälten, die völlig verständnisslos jedem kriegerischen Tun gegenüberstehen (und sie mögen noch so ehrlichen Willen zum Frieden und zur Versöhnung besitzen) und nur die Kriegshärte des Gegners erblicken können, die für sie dann 'Unmenschlichkeit' heisst, eine Antwort, die überhaupt nichts zur grossen Sache tut, die eine übelste 'Moralpredigt' und eine unerhörte Verunglimpfung eines Heldenvolkes darstellt! War jemals eine unerhörtere Lage, als diese, in der Deutschland jetzt steht? Die heutige Antwort auf die Unterwerfung Deutschlands ist eine Schmach. Und, zudem, scheinen sie dort doch machtlos, dem Greuel ein Ende zu bereiten! Wohin soll sich dieses Land wenden? Es pendelt zwischen Dilettanten und Irren [...]" (16. X. 1918).

Hesse, Hermann, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1877-1962). Eigenh. Aquarell über Feder auf einem eigenh. Brief von einem seiner Söhne …Spych, 27 Dec 1967.

An Trudel, Manfred und Lutz: "[...] Wir haben nun das Haus in Montagnola räumen müssen, Bodmers wollen es für sich! Der Plan, dort eine Gedenkstätte für Vater machen zu können, ist damit ins Wasser gefallen. Im November haben wir dort ausgeräumt und gepackt, Mitte Dezember waren wir dann nochmals dort, um noch Vaters Bibliothek zu verpacken. Da waren wir nun wohl zum letzte mal in diesem Haus [...]".

Hesse, Hermann, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1877-1962). Ms. Brief mit eigenh. Aquarell über Feder, Notiz und U.Wohl Montagnola, 20 Oct 1937.

An seine Schwester Marie "Marulla" Hesse (1880-1953): "Am 18. habe ich morgens an euch gedacht und an Mutters Geburtstag, der übrige Tag wurde mir verdorben: Besuche kommen ja so gut wie jeden Tag, das ist man gewöhne, diesmal war es aber ein unangenehmerer als gewöhnlich, ein 17jähriger von Eltern u. Schule davongelaufener Gymnasiast, offenbar vom Vater schlecht verstanden u. behandelt, er war kaum in Mont. aufgetaucht, als schon Telegramme und Telefone aus dem Elternhaus ihn suchten. Na, ich entließ ihn und glaube, daß er wirklich, wie wir es besprachen, wieder nachhaus gereist ist [...]".

Hesse, Hermann, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1877-1962). Eigenh. Brief mit eigenh. Aquarell über Feder und U.Ohne Ort, o. D. Februar 1945?.

An seine Schwester Adele "Adis" Gundert (1875-1949): "[...] die Nachricht über Gustav Gundert ist schlimm, ach möge er doch die Sache überstehn, und kein gewaltsamer Eingriff nötig sein! [...] Mein Gedicht hast du also einen Monat nach seiner Entstehung noch immer nicht gehabt! Solltest du es auch jetzt noch nicht haben, so bitte Engel drum, es ist kein Meisterwerk aber eine Postkarte ist es schon wert, glaube ich [...]".

Hesse, Hermann, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1877-1962). Eigenh. Brief mit eigenh. Aquarell über Feder und U.Ohne Ort, 11. September ca. 1928/1929.

Berichtet seiner Schwester Adele Gundert (1875-1949) von seinem Augenleiden "[...] Anfang Oktober erwarte ich die Nachricht von dem norddeutschen Augenarzt, wann er in Lindau eintrifft. Dann fahre ich mit N. für einige Tage nach Lindau, wo der Augenarzt Versuche mit allerlei andren Gläsern an mir macht [...]" und teilt ihr seine Sorgen bezüglich seines Sohnes Heiner mit: "Er wird morgen mit seiner Lehrzeit in Zürich fertig, hat sich brav mit nicht allzu vielen Extravaganzen durch diese zweieinhalb Lehrjahre geschlagen. Aber jetzt findet er, es sei genug, und möchte sich jetzt zur Ruhe setzen [...]".

Mit zwei eigenh. Zeilen und U. von Ninon Hesse am Briefende.

Hesse, Hermann, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1877-1962). Ms. Brief mit eigenh. Aquarell über Feder und U.Montagnola, 1 May 1927.

Dankt seiner Schwester Adele "Adis" Gundert (1875-1949) für einen Brief und schreibt: "Es gint mir seit der Rückkehr aus Zürich miserabel, und als dieser Tage aus Zürich die Einladung zu einer Vorlesung am 6. Mai kam, nahm ich sie an, um für ein paar Tage zu entrinnen, und um dann in Baden schnell bei meinem Arzt vorzusprechen. Ich reise also dieser Tage nach Zürich und bleibe 5 bis 8 Tage weg [...]. Hugo Balls Buch über mich habe ich jetzt gesehen, d. h. die Korrekturbogen mit Ausnahme der beiden letzten, und finde es sehr gut. Einiges wird dir zuerst nicht ganz gefallen, aber nichts Wesentliches, es ist eine sehr schöne Leistung [...]".

Chaussonet, Pierre-François. Noms Surnoms, Qualités, Conditions et Armoiries blasonnées de Messieurs …Lyon, 1749-1755.

Armorial with the coats of arms of 270 Lyonnais city officials from 1595 to 1750, with later additions to 1755. The title-page with the dedication is followed by a 9-page alphabetical index of family names and the years of service of 258 officials, many serving several terms, until 1750. A full-page coat of arms of the dedicatee David Flachat (1708-54), "Écuyer" (Steward) of Lyon in 1749/50, heads the arms section. On all but five of the 81 pages, the coats of arms are organized in tree diagrams with the "prévôt des marchands" (dean of the city guilds, the de facto mayor) on top and his four deputies or "échevins" (jurymen) in a single row below. The five other pages record only two "échevins". The coats of arms include the names, titles, and tenure of office in letterpress printing (with two handwritten exceptions). All coats of arms and captions or empty cartouches, for the few handwritten records, were printed, hand-coloured, cut out, and pasted into the manuscript. Starting with the title-page, all pages are framed within hand-drawn brown and yellow borders.

The offices of the "prévôt des marchands" and "échevin" of Lyon were established by King Henry IV of France in 1595, as stated in the full title of the manuscript, and the men elected for the two-year terms were automatically ennobled. The city-government of Lyon was organized as decreed by Henry IV until 1790, following the example of Paris.

In his office as official chronicler and herald of Lyon, Pierre-François Chaussonet produced a very limited number of almost identical copies of this armorial, dedicated to members of the city government such as Flachat. One copy is in the municipal archive of Lyon (shelfmark 17Fi 129), another was sold in 2011 at Kapandji Morhange in Paris (lot 155, €2600).

Binding rubbed and chafed, edges and spine scuffed. Pages foxed with some staining, several pages wavy from the glue, some minor tears.

Collin, Juliette. Album de lingerie.Lyon, 1939.

An elaborately executed late Art Deco scrapbook developed as an art college assignment by a fashion student at Lyon's La Martinière College. Collin presents her work in three main sections: "veritables dentelles employées en lingerie", "moulages des cours de l'année précédente", subdivided in trimesters, and "Broderie". The first section provides ample historical and technical descriptions of various styles and techniques of bobbin lace, nine of which are exemplified with patterns. Various types of women's fashion such as skirts, pyjamas, blouses, and gowns are presented in the second section with designs on pasted-in cutouts, specimens of details such as cuffs, shoulders, and pockets, as well as technical annotations. Prices, materials, and even ironing techniques are taken into consideration, adding to he relevance of this scrapbook as an artefact of cultural history. Throughout the second section, several careful drawings of "compositions" and "executed pieces" on black cardboard, incorporating a collage technique with fabric, add to the album's charm. The shorter third section comprises two patterns of embroideries with a teacher's (H. Reboux?) signature on the last page.

The external cover of the portfolio is in a fragile state with several deep tears. The pages are slightly loose and spotted with damage to some of the tissue guards. The design patterns and illustrations are in good condition, albeit sometimes loosened. One bobbin lace sample is lacking.

[India & Burma - Sketchbook]. Blackwell, Thomas Eden. "Indian, Burmese and Swiss Sketches" A sketchbook containing numerous sketches …Various places, ca. 1826-1830.

Sketchbook by the English lieutenant Thomas Eden Blackwell (1803?-45), showing views of India, Burma, and Switzerland, made in the years 1826-30, when India, which is the subject of about 30 of the sketches, and parts of Burma (now Myanmar) were British colonies. The sketches, mostly signed and dated by Blackwell, are mounted on album leaves and accompanied by manuscript captions and descriptions, also by Blackwell and sometimes by a later hand. Some of these remarks are general or contain interesting facts, while others are very personal or describe an event that happened during Blackwell's time as officer.

Blackwell drew some panoramic views and buildings (for example an Indian mosque or a narrow street in Calcutta), but he pays particular attention to Indian culture in his sketches of India and the accompanying explanations. He sketches the Indian population, animals, and scenes representing the everyday life of Indian people. Several animal sketches are exceptionally beautiful, including that of a horse (with notes about Arabian horses). He also draws a camel, compares camels to dromedaries, and outlines the habitat of both species in India. Also included are many sketches of Indian cattle, such as bullocks, which were used as water-carriers, and Bengal cows (whose milk is said to be "inferior" to that of English cows).

Blackwell also drew the inhabitants of the Indian places he visited, including a priest ("rhahan") and an Indian watchman ("chokedar"), but also a "Musselman" and an Indian woman, with remarks concerning the attitude of Indian men towards women. Of particular interest are the Indian "sceneries", as Blackwell calls them, showing the everyday life of Indian people: native cooking, but also how Indian people bathe in Hooghly river, how they wash their clothes, and men smoking a so-called "hubble bubble" (a hookah or water pipe). Blackwell annotatioins to nearly all these sketches provide the reader with rare insights into Indian culture.

of Burma (now Myanmar) fewer sketches were made, and they focus mostly on the coasts and the city of Rangoon's wharfs. These include the royal wharf at Rangoon, with a whole page of explanatory text on the facing page, and a sketch showing a stockade in Burma, where, according to Blackwell's caption, the British killed the Burman general Maha Bundoola (1782-1825) in the First Anglo-Burmese War. Yet there is also a sketch of the so-called Great Bell in Rangoon, which is representative of Burmese bells, which are often located near celestial buildings. The album also includes two views of Tobago in the West Indies: a large two-page panoramic view and a sketch of the government house in Tobago with a garrison in the background; Blackwell's note states that his daughter Eliza was born there on 25 January 1833.

Another part of the sketchbook comprises sketches of Swiss landscapes and panoramas, especially of the region surrounding Basel (of which Blackwell also includes a two-page panoramic view).

With owner's inscription on the front pastedown: "Lieut. Blackwell 13th Light Infantry. Indian, Burmese and Swiss Sketches". Binding a little worn, one quire loose, some occasional spots and somewhat browned, but not affecting the drawings. In good condition.