Mit dem vollständigen Festzug aus 10 doppelblattgrossen Holzschnitttafeln

Wirrich (Wirri), Heinrich. Ordenliche Beschreibung des Christlichen, Hochlöblichen und Fürstlichen Beylags oder Hochzeit, so da gehalten ist worden durch den Durchleuchtigisten [...] Herrn Carolen, Ertzhertzog zu Osterreich [...] mit dem Hochgebornen Fräwlein Maria, geborne Hertzogin zu Bayrn, den XXVI. Augusti in der Kayserlichen Statt Wienn [...] in Teutsche Carmina gestelt [...].

Wien, Blasius Eber, 1571.

126 (statt 132) nn. Bll., jede Seite mit vierteiliger Holzschnittbordüre. Mit 129 (von 133) Wappenholzschnitten, 9 ganzseitigen figürlichen Textholzschnitten und 16 (davon 11 doppelblattgroßen) Holzschnittafeln. Zeitgenössischer Pergamentband mit kalligraphischem Rückentitel. Dreiseitiger Farbschnitt, Bindebänder erneuert. Folio (210 x 281 mm).

Auf Anfrage

Erste und einzige Ausgabe des Hochzeitsbuchs für Karl II. von Innerösterreich und Maria von Bayern; einer der schönsten und seltensten Wiener Drucke des 16. Jahrhunderts. Der wohl auch für die Organisation der mehrtägigen Feierlichkeiten mitverantwortliche Autor beschreibt "mit der Hilfe des [ihn begleitenden] klugen Zwerges die Hochzeitsfeierlichkeiten [...] Die 'ordentliche Beschreibung' ist in Reimen verfaßt, die Schilderung des Ringelrennens [und des Turniers] enthält allerdings auch Prosastellen" (Vocelka, 67). Aus der nur drei Jahre tätigen Offizin Blasius Ebers kennt Mayer nur sieben Werke; das vorliegende ist "sein bekanntes und zugleich sein Hauptwerk [...] Wirrich scheint dieses Gedicht als Geschenk an Fürsten, an den Adel, an Städte und Stände herumgesandt zu haben [...] Der Glanzpunkt des Werkes besteht in bildlichen Darstellungen der Wiener Bürgerwehr, von Vermummten, Turnieren. Diese Holzschnitte sind von verschiedenen Meistern. Die Druckseiten sind mit einem breitem Rahmen versehen, der Hasen, Füchse, Greife, Lämmer, Biber, Ziegen, Hirsche, Elephanten etc. in wunderlichen Blattranken zeigt" (Mayer). Nachdem die Holzschnittafeln separat verkauft wurden, variiert die Ausstattung der überlieferten Exemplare stark; Vocelka bringt eine Aufstellung und rudimentäre Kollation der ihm bekannten. Das "vollständigste Exemplar in Wien wird in der Bibliothek des Museums für angewandte Kunst aufbewahrt" (Vocelka, 67ff.). Vorliegend eines von nur zwei einigermaßen vollständigen Exemplaren, die in den letzten Jahrzehnten auf dem Markt zu verzeichnen waren. Das zuletzt bei Reiss versteigerte Exemplar enthielt keine einzige der oftmals gar als verschollen bezeichneten Holzschnittafeln; weiters fehlten der Titel und zumindest 3 Textblätter (Reiss 1995, Aukt. 59, 1258; DM 10.000).

Hier fehlen wie immer das Textblatt D4 und das letzte weiße Blatt, außerdem der Titel sowie die Bll. C10 sowie T2 und T7. Vorhanden sind aber 16 der insgesamt 22 Holzschnittafeln: die fast immer fehlenden 4 Tafeln mit den Fahnenträgern sowie die zehn zu einem mehrfach gefalteten Festzug montierten Holzschnitte mit der Darstellung des Aufzugs der Wiener Bürgerwehr, das große Reiterbild des Bürgermeisters von Wien nebst Gefolge sowie schließlich ein Doppelblatt mit Abbildung des Turniers.

Durchgehend etwas gebräunt, teils auch leicht fingerfleckig, erste Bll. leicht wasserrandig, einige alt hinterlegte Einrisse auf einigen Textseiten (jedoch durchwegs ohne nennenswerte Textberührung). Im ganzen ansprechendes Exemplar.

VD 16, W 3587 (stark inkompl.). Lipperheide Sc4 (mit 15 Tafeln). Mayer I, 112, 634. Goedeke II, 326, 4, 4. Drugulin II, 44. K. Vocelka, Habsburgische Hochzeiten 1550-1600, Wien 1976, S. 47-77. Vinet 659 ("volume de plus grand rareté"). Ruggieri 937 (mit genauer Kollation der Tafeln).

Art.-Nr.: BN#11099