Colon, Hernando. Historia del Almirante.

Spanien, c. 1550.

Spanische Handschrift auf Pergament. 24,7 x 28,5 cm (Schriftspiegel 16 x 21 cm). 2 Sp. 16 Zln. Mit großer Initiale L in roter, grüner und blauer Deckfarbe vor Goldgrund. Verso mit großer Miniatur sowie reichem Rankenwerk in Deckfarben und Gold.

 25.000,00

Die "Historia del Almirante", die Lebensgeschichte des Christoph Kolumbus, soll um 1530 von seinem Sohn Hernando Colón (1487-1539) niedergeschrieben worden sein. Die Originalhandschrift ist verloren. Ein erster Druck erschien 1571 in italienischer Sprache. Die spanische Druckfassung von 1749 ist lediglich eine Rückübersetzung (vgl. Sabin 14674). Daher weicht sie an vielen Stellen von der hier vorliegenden Abschrift, die die Urfassung wiedergeben dürfte, erheblich ab. Nach dem Stil der Rankeninitiale mit dünnem Fleuronée (stark abgerieben) zu schließen, ist das Blatt unseres Manuskripts wohl im mittleren 16. Jahrhundert entstanden. Der Text beginnt mit "Los rebeldes perseverando en su mal animo el Almirante resolvio enviar contre essos al Prefecto su hermano que con buenas palabras sgredviese a juicio y arrepentimento pero con compania hastante para que si quisiesen onfendere oudiese resistirlos" (in der späteren Druckfassung: "Perseverando los rebeldes en su mal ánimo y propósito, llegaron hasta un cuarto de legua de los navíos, a un pueblo de indios llamado Maima, donde después edificaron los cristianos una cuidad llamada Sevilla").

Das Blatt ist trotz des für Pergamentmanuskripte ungewöhnlichen Quartformats offenbar unbeschnitten. Von uns nicht zu klären ist, ob die Miniatur auf der Rückseite zum originalen Bestand gehört oder eine spätere (historistische) Arbeit ist. Es sind keinerlei Spuren von Rasur zu erkennen, so daß wohl nicht von einem Palimpsest auszugehen ist. Da inmitten des Textes auch nicht mit einer leeren Seite zu rechnen ist, könnte es sich bei der Miniatur auch um ein Original des 16. Jahrhunderts handeln. Dafür spricht der Stil der figürlichen Darstellung und des Rankenornaments, jedoch erscheint das architektonische Rahmenwerk in Form eines gotischen Triptychons eher wie eine Arbeit des Historismus. Hinzu kommt, daß die Darstellung in keiner Weise zum Text paßt. Es handelt sich wohl um drei (legendäre) Szenen aus der Eroberung der Bretagne durch einen Heerführer Karls des Großen im Jahre 799 (die Bretagne, personifiziert durch eine Frauengestalt mit Beischrift "Armorica", dem keltischen Landesnamen, und Karl der Große mit Beischrift "Karolus Fran(corum) Rex", dargestellt als jugendlicher Herrscher in römischer Tracht, erscheinen vor Goldgrund in je einem Tondo des Maßwerks der Spitzbögen).

Textseite mit gebräunten Rändern und Abrieb (die Initiale stärker), die Miniatur mit wenig gebräunten Rändern, Vergoldung und Farbe (vor allem Grün) stellenw. ein wenig abgeplatzt.

Art.-Nr.: BN#18222 Schlagwörter: , ,