Bernhard II., Herzog von Sachsen-Meiningen (1800-1882). Brief mit eigenh. U.

Meiningen, 28. V. 1861.

1 S. auf Doppelblatt. Gr.-4to.

 180,00

An Feldzeugmeister Franz Graf Folliot de Crenneville-Poutet (1815-1888) mit der Bitte um Nachricht über das Ergehen Otto von Gemmingens, "der Sohn eines alten treuen Dieners und Freundes von mir [...] Da ich nun seit längerer Zeit nicht Gelegenheit hatte, etwas Näheres über ihn zu hören, so wollen Ew. Excellenz mir verstatten, mich mit der Bitte um einige Nachrichten über den jungen Mann an Sie zu wenden. Das Regiment Graf Civalart hat, wie mir bekannt ist, den italienischen Krieg mitgemacht. Es würde mir erfreulich sein zu hören, daß Herr von Gemmingen dadurch Gelegenheit bekommen, sich vor dem Feinde als ein tüchtiger Soldat zu zeigen [...]".

Nach dem frühen Tod seines Vaters Herzog Georg I. folgte Bernhard diesem 1803 unter der Vormundschaft seiner Mutter Louise Eleonore in der Regierung und übernahm dieselbe 1821. Drei Jahre später ließ er die unter die Garantie des Deutschen Bundes gestellte verbesserte landständische Verfassung in Kraft treten. Nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg vereinigte er mit dem am 12. November 1826 geschlossenen Teilungsvertrag das Herzogtum Sachsen-Hildburghausen, das Fürstentum Saalfeld, das Amt Themar, die Grafschaft Kamburg und die Herrschaft Kranichfeld mit seinem Erbland und gab 23. August 1829 den vereinigten Ländern ein neues Grundgesetz. Im März 1848 bewilligte er die Forderungen des Volkes, nahm die Reichsverfassung bereitwillig an, trat später der Union bei und zeigte auch nach dem Scheitern der Pläne Preußens 1850 seine Sympathien für die deutschen Einheitsbestrebungen. Später wandte er sich der großdeutschen Partei zu, protestierte gegen die von Sachsen-Coburg und Gotha mit Preußen abgeschlossene Militärkonvention und stand 1866 auf Seiten der Gegner Preußens. Bei den Friedensverhandlungen zeigte er sich dem Beitritt zum Norddeutschen Bund so abgeneigt, daß am 19. September die preußischen Truppen in Meiningen einrückten. Dies zwang ihn, am Tag darauf zugunsten des Erbprinzen Georg die Regierung niederzulegen.

Graf Folliot de Crenneville-Poutet war von 1867 (dem Jahr, in dem er zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies ernannt wurde) bis 1884 Oberstkämmerer Kaiser Franz Josephs I. und erwarb sich große Verdienste um die kaiserlichen Sammlungen.

Art.-Nr.: BN#19409 Schlagwort: