Courtauld, Augustine, Polarforscher, Geograph und Seefahrer (1904-1959). Me.

Wohl Gallspach (OÖ), 1956.

(4), 273, (1) Bll. Typoskript mit zahlr. eigenh. Strichen, Einschüben und Überarbeitungen in Bleistift (die handschr. Zusätze zusätzlich getippt und eingeheftet) sowie mit Einfügemarkierungen in rotem Buntstift. Gelocht und blockgeheftet zwischen Kartondeckeln. Gr.-4to.

Beiliegend: Ders. Man the Ropes. London, Hodder and Stoughton, 1957. 188 SS. Leinenband der Zeit mit bedr. Original-Schutzumschlag. 8vo.

 2.500,00

Originaltyposkript der Autobiographie des englischen Geographen und Forschungsreisenden Augustine ("August") Courtauld, die 1957 unter dem Titel "Man the Ropes" erschien. Der Sohn einer traditionsreichen Textilunternehmerfamilie aus Essex schildert darin seine Kindheit und typisch unglücklichen Tage an der Privatschule Charterhouse (eine Anekdote von 1918, in der eine exzessive Prügelstrafe für die Verschwendung von Brot beschrieben wird, gleicht fast spiegelbildlich einer vom wenig jüngeren Stephen Spender in seiner Autobiographie beschriebenen Szene aus eben derselben Zeit an der Gresham's School), seine Studienjahre in Trinity, Cambridge, insbesondere aber seine Forschungsreisen in Eis- und Sandwüsten, seine Seefahrten, seinen Kriegsdienst in den Coastal Forces sowie seine letzten Jahre als Lokalpolitiker in seiner Essexer Heimat.

Courtaulds Forscherliebe galt den unerforschten Einöden der Welt, und schon 1926 hatte er mit dem berühmten schottischen Polarforscher James Wordie Grönland erkundet. 1927/28 erforschte er mit dem späteren Lord Rennell die Südsahara, wo er eine Ruhrinfektion nur knapp überlebte. Als Courtaulds berühmteste Forschungstat gilt seine fünfmonatige Alleinüberwinterung in der von seiner Expedition eingerichteten Wetterstation auf der grönländischen Eiskappe, 110 Meilen nördlich von Ammassalik, bei Temperaturen von -64° Kälte. Die 1930/31 von Gino Watkins geführte "British Arctic Air Route Expedition", die die Möglichkeiten einer kurzen Flugroute nach Westkanada erforschen sollte, war durch die maßgebliche finanzielle und ideelle Unterstützung Courtaulds zustandegekommen. 1935 kehrte Courtauld zurück nach Grönland, wo ihm die Erstbesteigung des Hvitserk (Gunnbjørns Fjeld) gelang, mit knapp 3700 Metern der höchste Berg der Arktis. Courtauld galt als brillanter Seefahrer, und seine zahlreichen Segeltouren führten ihn von Mallorca bis nach Trondheim (auf eine Törn nach Nordfrankreich nahm er gar Evelyn Waugh mit, der sich aber wegen des fortgesetzten Schlechtwetters bald davonstahl). Als der Krieg nahte, erkundete er für den englischen Marinenachrichtendienst die Nordküste Norwegens; er bildete gegen den Widerstand der Admiralität die "Royal Naval Volunteer Supplementary Reserve" und unterstützte die britischen Kommando-Einheiten in Norwegen. Nach dem Krieg versuchte er mit seiner Yawl eine Transatlantikfahrt nach Amerika, die aber am schlechten Wetter scheiterte; den Winter 1947 verbrachte er dennoch in Jamaika in der Villa Ian Flemings, wo sich sein Sohn im warmen karibischen Wasser von seiner Polioerkrankung erholte. In seinem 49. Lebensjahr erkrankte Courtauld selbst an Multipler Sklerose. Im Sanatorium Zeileis in Gallspach bei Grieskirchen (OÖ), wo er die letzten Jahre seines Lebens in Behandlung verbrachte, verfaßte er seine vorliegenden Lebenserinnerungen, deren Erscheinen im Druck er noch erlebte. Wie der Vergleich mit der Druckfassung zeigt, wurde das vorliegende Typoskript noch umfassend überarbeitet. Viele Änderungen dürften auch auf den Verlag zurückgehen, der stilistisch glättend eingriff - nicht immer zum Vorteil des Werks. Das notorisch trockene Understatement des Verfassers ist im Manuskript noch prononcierter, das auch das Urteil seines Reisegefährten Francis Rodd (Lord Rennell) bestätigt: "He was no linguist, but made himself understood." Courtauld starb am 3. März 1959 und wurde auf See bestattet. Dorothy Middleton würdigte den vielseitig begabten Courtauld als Forscher "who could have been more famous if he had been less modest and (perhaps) less of an individualist" (The Geogr. Journal 146/3 [1980], S. 446). Über zwei Jahrzehnte nach seinem Tod erschien eine Biographie von Nicholas Wollaston: "The Man on the Ice Cap". Courtaulds Witwe Mollie heiratete noch im Herbst 1959 Richard Austen ("Rab") Butler of Saffron Walden (1902-82, englischer Schatzkanzler, Innen- und Außenminister; Witwer von Courtaulds Cousine, Sydney Courtauld Butler) und feierte 2007 ihren 100. Geburtstag.

Vereinzelt schwach braunfleckig; die Ränder teils leicht lappig. Insgesamt wohlerhaltenes, vollständiges Typoskript der Autobiographie in der wohl letzten vom Autor selbst überarbeiteten Fassung.

Art.-Nr.: BN#20992 Schlagwörter: , ,