[Des Voeux, Charles, irischer Dichter und Übersetzer (1802-1833)?]. Nachruf an die Höchstseelige Frau Großherzogin Luise Königliche Hoheit.

O. O., [wohl 1830].

4¼ SS. auf 4 Bll. Geheftet. Gr.-4to.

 500,00

Zeitgenössische Abschrift des Trauergedichts auf die am 14. Februar 1830 verstorbene Herzogin Luise von Hessen-Darmstadt, die "Retterin Weimars", mit kleinen Abweichungen vom gedruckten Text. Aufgrund der Tatsache, daß die Druckfassung Verbesserungen gegenüber der Handschrift aufweist ("heil'ge Erinn'rung' statt "heil'ge Erinnerung", "weit umher spendend" statt "weit umherspendend"), kann sogar über eine Priorität der letzteren spekuliert werden. Ohne Verfassernennung erschienen in Heft 24 des ersten Jahrgangs der von Goethes Schwiegertochter Ottilie herausgegebenen Zeitschrift "Chaos". Das Gedicht wird dem jungen Iren Charles Des Voeux (1802-33) zugeschrieben, der 1821-25 in Oriel (Oxford) klassische Philologie studierte und sich dann nach Weimar begab, wo er sich rasch das Deutsche aneignete. 1827 übertrug er Goethes "Tasso" ins Englische; auch stand er in enger Verbindung zu Ottilie (die in ihn verliebt gewesen sein soll) und zu ihrer Zeitschrift, für die er mehrfach Beiträge lieferte. Das Gedicht gilt als "the only German poem by an English-speaking contributor to Ottilie's 'Chaos'" (Hennig, 115). "The 'Nachruf' in question is of very high order both in form and matter [...] If Des Voeux could write such German, he was indeed fully qualified to undertake the translation of 'Tasso'" (Willoughby, 234).

Vgl. Lily v. Kretschman, "Weimars Gesellschaft und das Chaos", in: Westermann's Monatshefte 71 (1892), S. 252ff. L. A. Willoughby, "An Early Translation of Goethe's 'Tasso'", in: Modern Language Review 9 (1914), S. 223ff. John Hennig, "Irish Descriptions of Goethe", in: Publications of the English Goethe Society 25 (1956), S. 115ff.

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