Der letzte männliche Habsburger

Schwarz, Christian Gottlob. Oratio genethliaca [...] domini Caroli VI [...] et dominae Elisabethae Christinae [...] domino Leopoldo, archiduci Austriae, principi Asturiae, [...] auspicatissime nato.

Altdorf, Jobst Wilhelm Kohles, 1716.

(42) SS. Mit gest. Kopfstück. Pappband der Zeit mit goldgepr. Wappensupralibros des Hauses Österreich an den Deckeln. Dreiseitiger gesprenkelter Rotschnitt. Folio (252:392 mm).

Auf Anfrage

Festschrift zur Geburt des Prinzen Leopold Johann, des letztgeborenen männlichen Habsburgers seiner Linie. Der ersehnte Kronprinz, am 13. April 1716 "auspicatissime nato", starb nach noch nicht einmal sieben Monaten (4. November) als Säugling, so daß die Thronfolge - gemäß der 1713 erlassenen Pragmatischen Sanktion, welche die Unteilbarkeit der habsburgischen Länder sowie die sekundäre weibliche Erbfolge festlegte - auf Leopolds 1717 geborene Schwester Maria Theresia überging. Mit Leopold starb das Haus Habsburg im Mannesstamm aus. Da es sich bei dem jungen Prinzen um einen Erstgeborenen handelte, wurde sein Leichnam trotz des zarten Alters von den kaiserlichen Leibärzten seziert und einbalsamiert und in einem silberdurchwebten Kleid auf einem Paradebett aufgebahrt; Herz und Intestina wurden in zwei getrennten Behältern nach St. Stephan überführt.

Die vorliegende Altdorfer Feierschrift enthält zunächst die offizielle Verkündigung durch die Eltern, Kaiser Karl VI. und seine Gemahlin Elisabeth Christina von Braunschweig-Wolfenbüttel, anschließend die Festrede des Altdorfer Rektors Johann Heinrich Müller, und zuletzt die lateinischen und deutschsprachigen Huldigungsgedichte durch den Herausgeber, den Philologen C. G. Schwarz (1675-1751; vgl. ADB XXXIII, 227), welcher die Professur für Beredsamkeit und Poesie innehatte.

Teils minimal gebräunt. Rücken eingerissen, Ecken bestoßen, Wappen anoxydiert. Breitrandiges Exemplar.

Meusel XII, 586. Will III, 635.

Art.-Nr.: BN#23301