Lehmann, Lilli, Sopranistin (1848-1929). Eigenh. Brief mit U.

[Berlin], 15. IV. 1913.

4 SS. auf Doppelblatt. Kl.-4to.

 350,00

An die Sängerin Laura Hilgermann (1857-1945): "Leider sind mir die amerikanischen Verhältnisse ganz fremd geworden; u. nicht nur sie, sondern auch die Menschen, von denen ich kaum ¼ dzd. ungefähr kenne. Dippel ist ganz unzugänglich für mich [...] Grau u. Stanton sind lange tot unter denen ich dort war, ich habe nicht den geringsten Anteil an irgend einem der jetzigen Interessen. Versuchen Sie es durch Dippel zu machen, es wäre am besten u. einfachsten. Aber, liebe Frau Hilgermann, geben Sie Ihre lebenslängliche Stellung nicht auf! Nicht um ein ‚vielleicht'. Man verlangt auch drüben sehr viel; man muß ital. u. französisch singen u. nicht jedem geht es gleichmäßig gut. Man muß da bei aller Künstlerschaft - sehr vorsichtig sein [...]".

Zunächst als Koloratursopran eingesetzt, sang die Tochter der Sängerin und Harfenistin Maria Theresia Lehmann-Löw bald auch dramatische Partien, 1876 auf Wunsch Richard Wagners bei der Uraufführung des "Rings des Nibelungen" die Woglinde, Helmwige und die Stimme des Waldvogels. "1885 folgte sie einer Einladung der Metropolitan Opera in New York, wo sie als überragende Interpretin deutscher und italienischer Opernpartien gefeiert wurde" (DBE). 1888 ehelichte sie den Tenor Paul Kalisch, kehrte drei Jahre darauf nach Deutschland zurück und gehörte später wieder dem Ensemble der Berliner Hofoper an. Sie gilt als "eine der bedeutendsten Wagner- und Mozartinterpretinnen der Zeit" (ebd.), schrieb gesangspädagogische Werke, eine Autobiographie und regte die Salzburger Mozart-Feste der Jahre 1901-10 an, bei denen sie als Sängerin auftrat und Regie führte.

Lilli Lehmann hatte im Jahre 1904 zusammen mit Laura Hilgermann und dem Tenor Andreas Dippel an einer Aufführung der Salzburger Liedertafel teilgenommen, wo die "Große Messe in C-Moll" von W. A. Mozart auf dem Programm gestanden hatte.

Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.

Art.-Nr.: BN#23509 Schlagwort: