Hormayr zu Hortenburg, Joseph, Historiker (1782-1848). Eigenh. Brief mit U. ("Hormayr").

Wien, 30. IX. 1811.

3 SS. auf Doppelblatt. 4to. Mit einer Beilage (s. u.).

 1.500,00

An den ihm befreundeten Grafen Gottfried Wenzel von Purgstall (1773-1812) auf Schloß Hainfeld, der wie Hormayr am Tiroler Aufstand von 1809 teilgenommen hatte, aber in Mantua eingekerkert worden war. Hormayr zeigt sich besorgt über Purgstalls Gesundheitszustand (er sollte im Jahr darauf versterben) und kommt dann auf andere Bekannte zu sprechen, so auch auf den am 28. Juli verstorbenen Wiener Dramatiker Heinrich Joseph von Collin: "[...] Was ich an Collin verloren habe, darf ich Ihnen nicht erst schildern. Mehrere Tage hindurch ließ mich die heftige körperliche und geistige Affection eine ähnliche Krankheit befürchten; - aber wir verdienens nicht besser! - Patroklus ist begraben und Thersites uns geblieben und man befindet sich doch recht wohl bei dem Tausche.

Ich preise Ihren Entschluß, im göttlichen Lande, wo die Citronen blühn - unter klassischen Umgebungen - dem Schnee der norischen Alpen auf einen Winter [...] zu entfliehen. Gewiß finden Sie dort Gesundheit, Lebensfreunde und auch Stoff zu Parallelen genug [...] Möge die Gräfin, diese herrliche Frau [dieselbe hatte ihren Mann durch persönliche Intervention bei Napoleon aus dem Gefängnis in Mantua befreit] [...] an Ihnen beyden [d. s. Purgstall und dessen Sohn] bald erleben, was Sie in dieser allgemeinen Zerbrochenheit und Elendigkeit allein noch interessiren kann: Ihre gänzliche Erholung und neue Blüthe für die Zeit, die aus der gährenden Asche [!] hervorblitzen wird. Mögen Sie Alle Sich manchmal freundlich dessen erinnern, der Ihnen so herrlich ergeben ist und keinen höhern Wunsch hätte, als in Ihrem Kreise zu leben. Vielleicht brauchen Sie einmal auf Hainfeld einen Bibliothekar oder einen Geschichtslehrer für Wenzi. Tief rührte michs dieser Tage einen Brief von Johannes Müller an den ehrwürdigen Kanzler Teleky zu lesen. Er bath ihn nach Preussens Fall, um eine Stelle bey seiner Regnicolarbibliothek in Siebenbürgen, um nur den gewissen Klauen zu entgehen [...]".

Auch in der Nachschrift bleibt Hormayr politisch: "Im Norden immer finsterer; - Alexander gegen den Judas, Gottlob daß dort keine deutsche Humanität (A - leckerey) zu Hause ist, sondern Zahn für Zahn, Aug für Aug! [...]".

Beiliegend ein Schreiben (Innsbruck, 20. IX. 1780) im Auftrag Maria Theresias, einen Rechtsstreit betreffend, mitunterzeichnet von Hormayrs Vater, Josef Anton Hormayr zu Hortenburg (gest. Innsbruck 1803).

Art.-Nr.: BN#30342 Schlagwort: