Das Künstleralbum des kaiserlichen Deckenmachers J. F. Hörmannsperger

Barockes Musterbuch und Album des Deckenmacher-Gesellen Johann Franz Hörmannsperger.

Wien, 1736.

118 numerierte Bll. (recte 115, Bll. 96, 106 und 112 in der Numerierung übersprungen). Auf das kalligraphierte Geleitwort Hörmannspergers folgen 58 von ihm gefertigte Blätter mit Textilentwürfen (meist in Rot, Blau, Grün und Gold, davon 1 doppelblattgr. gefalteter und vier Bll. mit jeweils 2 Entwürfen) und die 7 prachtvollen gold- und silbergehöhten Gouachen; zwischengebunden sind ingesamt 52 Kupfer auf 48 gestochenen Tafeln, diese durchgehend im hervorragenden, teils gold- und silbergehöhten Kolorit der Zeit. Marmorierter Pappband der Zeit. Quer-Folio (390:252 mm).

 85.000,00

Unikales Dokument der bürgerlichen Handwerkskunst des Spätbarock von musealer Qualität: Das Album enthält neben 58 sauber ausgeführten Textilentwürfen Hörmannspergers 7 großformatige Gouachen, die den selbstbewußten Urheber derselben bei der Ausübung seines Handwerks im Atelier, im Umgang mit der Kundschaft bei Anpreisung und Verkauf seiner Produkte, aber auch beim Musizieren und Kegeln sowie bei der Hauptversammlung der Wiener Deckenmacherzunft zeigen. Als Zwischenblätter zu den eigenen Arbeiten hat Hörmannsperger durchwegs profane Sujets (Zwerge, Soldaten, Karikaturen u. ä.) verwendet; einige der reizvollsten und seltensten Blätter aus der Produktion der Augsburger Stecherschule um 1720 sind jeweils alternierend zwischen seine eigenhändigen Textilentwürfe und Gouachen gebunden.

Eingeleitet wird das Album durch das Selbstportrait Hörmannspergers im Atelier (am Tisch liegend sein Zirkel und einer der nachfolgenden Textilentwürfe), am gegenüberliegenden Blatt äußert sich der damals 26jährige zur Enstehungsgeschichte desselben: "dann rechte kunst lobet den Maister: allhier ist ein buech und daß ist mein mit vill riss und zig, wie sie nacheinander zu sehen sein. Thue mich darmit zwar nit prallen, habe es doch alle mit meiner Hand gemallen. mit viller Zeit und mihe beschwernus [...] Ich Johann Frantz Hörmansperger". In den Unterschriften zu den prächtigen Gouachen beweist Hörmannsperger ebenso Humor wie überraschendes Selbstbewußtsein. Eine selbstgefertigte Decke preist er der ihn aufsuchenden Kundin im Verkaufsgespräch folgendermaßen an: "Mein schönes frauenzimmer hier habens ein schöne döcken: darunter könnens sie braf ströchken: Sie ist anter halb Ehlen breit und zwey Ehlen lang: da könens sie sich darunter umköhren mit ihrem Mann" (Bl. 94), die nächste Darstellung zeigt ihn beim Verkauf von Satteldecken an hochgestellte Offiziere ("so kauffens wir und nimens mit uns ins feld", Bl. 86); daraufhin sehen wir ihn in der Freizeit beim Kegeln in einem barocken Garten ("Lustig und frölich inß gemein: weilen wir döcken machergesellen sein: Jungfrauen auch inß gleichen: es wird ihnen die Zeit nicht vellen: hier stett roter und weißer wein. da können wir lustig und frölich sein", Bl. 94) sowie beim Tanz ("Lustig wohl auf. Musicanten streichts drauf. So seindt die Döckenmacher wohl auf. und tantzen mit schönen frauen zimer bis die schue werden zu trimer", Bl. 104). Das letzte Blatt zeugt dann von der Aufnahme eines Lehrlings bei der Quartalsvollversammlung der Wiener Deckenmacher ("[Die] Döckenmacher verßamlen ßich zu disem Haubt Quartal und bereden ßich was der Lad zu nutzen falt: der Jung will zwar aufgedinet sein. er ist nit zu groß. und auch nit zu klein. doch mues er ßeine lehr iahr erfillen. bis man ihn macht zu einen gesellen", Bl. 118). Die von Hörmannsperger unter Verwendung eines Zirkels gefertigten ornamentalen Textilentwürfe teils mit frei gestalteten heraldischen bzw. figuralen Mittelstücken; ein Deckentwurf (Bl. 113) ist durch Monogramm und kaiserliche Insignien als Auftragsarbeit für Kaiser Karl VI. ausgewiesen und wurde laut späterer Bildunterschrift auch für diesen ausgeführt. Zwischen seine eigenen Entwürfe hat Hörmannsperger die Blätter der großen Augsburger Meister seiner Zeit eingebunden: So finden sich - durchwegs in hervorragendem Kolorit mit Gold- und Silberhöhung - acht Blätter des Zwergenkabinetts von Elias Bäck (Fechtschule, Saufbegierde, Fresslust und Tabakrauchfreude), ein vollständiger Jahreszeiten- und Lebensalterzyklus von Martin Engelbrecht ("Der Menschen Jahr Veränderung"), insgesamt 19 der berühmten Blätter von Pfeffel, Schmidt und Engelbrecht zum Soldatenleben (davon zwei mit beweglichen Teilen), von Albrecht Schmidt außerdem ein schönes Flugblatt mit Darstellung der sieben redlichen Schwaben, zuletzt noch ein 8 Bll. umfassender, unbezeichneter Zyklus der weiblichen Temperamente (Die Kaltsinnige, Die Scherzhaffte, Die Furchtsame usw.).

Die österreichische, speziell Wiener Bettwarenerzeugung genoss zur Zeit ihrer Hochblüte im 18. Jahrhundert einen exzellenten Ruf. Exportiert wurde an die souveränen Höfe Europas, aber auch nach Griechenland, der Türkei sowie vielen Ländern des Orients. Zur Entstehungszeit des vorliegenden Albums produzierten in Wien zehn Meister dieses Gewerbes Decken, Matratzen und dergleichen, aber auch Tornister und Kürasse.

Provenienz: 1893 "vom Schwiegersohn d. Herrn Josef Lang" durch den k. u. k. Hof-Bettwaren-Lieferanten Josef Pauly erworben und von diesem 1896 an den damaligen Genossenschaftsvorsteher der Bettwarenerzeuger, Herrn Junghofer, weitergegeben (vgl. Paulys eigenh. Geschenkvermerk am fliegenden Vorsatz); zuletzt in österreichischem Privatbesitz. Der Deckenbezug des schlichten Pappbands am unteren Kapital unauffällig erneuert, innen teils etwas fingerfleckig, zwei Bll. mit kleinen Einrissen, im ganzen aber hervorragend erhalten.