Kashfi, Sayyid Ja’far ibn Ishaq. Tuhfat al-Muluk.

Iran, [1835/36 CE]: dat. 1151 (recte: 1251?).

Persische Handschrift auf geglättetem Papier. 384 unn. Bll. 21 Zln. Mit Zierstück in Deckfarben am Textbeginn sowie 17 teils goldgehöhten Deckfarbenminiaturen. Hervorhebungen in rot. Halblederband der Zeit mit Deckfarbenmalereien unter Lack auf beiden Deckeln sowie Doublüren mit Blumendarstellungen in Deckfarben auf rotem Grund. 4to (295 x 185 mm).

 35.000,00

Reich illuminierte Handschrift über die Welterkenntnis und die Staatsphilosophie, deren Titel als "Geschenk für Herrscher (oder Könige)" übersetzt werden kann. Diese bedeutende Schrift ist 1817/18 im Auftrag des Prinzen Muhammad Taqi Mirza entstanden, des Sohnes von Fath Ali Schah, dem 2. König der Kadscharen-Dynastie in Persien, und ist das Hauptwerk des iranischen Philosophen Sayyid Ja’far ibn Ishaq Kashfi (ca. 1775-1850), der in Borudscherd im westlichen Iran lebte. Prinz Muhammad Taqi (ca. 1791-1848) war der achte Sohn des Schahs. Zu dessen Lebzeiten war er unter anderem Regent von Borudscherd, wurde aber nach dem Tod des Vaters im Jahre 1834 inhaftiert. Unsere Handschrift ist wohl in der letzten Lebenszeit von Fath Ali Schah begonnen und erst nach seinem Tod vollendet worden. Die Kalligraphie ist nicht besonders fein, was in Kontrast zu der reichen Illumination und prächtigen Bindung steht. Eigenartig ist auch, daß die Handschrift in Naskhi und nicht in dem im Persischen üblichen Nastaliq-Duktus abgefaßt ist, doch konnten die meisten persischen Kalligraphen auch Texte im Naskhi-Duktus schreiben, wenn das ein Auftraggeber - aus welchen Gründen auch immer - gewünscht hat. Vielleicht weisen diese Indizien darauf hin, daß es sich bei diesem Manuskript nicht um die Kopie eines professionellen Schreibers, sondern um die Handschrift eines Gelehrten (des Autors selbst?) handelt.

Dem Vorwort zufolge wurde der Verfasser vom Prinzen aufgefordert, ein philosophisches Buch über die Erkenntnis der realen Welt, das Verstehen der Schöpfung und der Geschöpfe und deren Eigenschaften, Charaktere und Bedeutungen zu schreiben. Dementsprechend ist es in drei Kapitel unterteilt; dazu enthält es einen staatstheoretischen Epilog, der von der Weisheit der Staatsführung handelt. Am Ende empfiehlt der Autor die Übersetzung der Charta des Imam Ali to Malik Ashtar, als dieser Regent von Ägypten gewesen ist (im 7. Jahrhundert): diese Charta enthalte alles, was man über Staatsführung wissen müsse.

Die Miniaturen visualisieren abstrakte Zusammenhänge in schematischen Bildern, darunter Verstand, Staatsaufbau, politische Theorie, die Grundlagen der islamischen Staatsidee etc. Kashfis Schrift war von erheblichem Einfluß auf die Politik des kadscharischen Iran, der in dieser Zeit die Auseinandersetzung mit dem Westen suchte. "The importance of Kashfi’s political theory cannot be exaggerated. It is a consistent synthesis of the traditional Persian theories of kingship and the Shi’ite doctrines of Imamate and Occultation. As such it represents not only the removal of the anomalies of the Safavid legitimacy but also the definitive reconciliation of the secular and the religious cultures of pre-modern in Iran. We find Kashfi’s dualistic theory of legitimate authority restated in the second half of the 19th century" (A. Arjomand, The Shi’ite Hierocracy and the State in Pre-modern Iran, in: Archives Européennes de Sociologie 22 [1981], S. 56).

Am Ende des Textes ist das Datum 1151 genannt. Gemeint kann hier nur das Jahr 1251 sein, also 1835/36 christlicher Zeitrechnung.

Auf westlichem Büttenpapier mit mehreren Wasserzeichen, darunter vor allem in der ersten Hälfte ein markantes mit einem Vogel (Adler) über einem Kreis und weiteren Beizeichen. Der typische kadscharische Lackeinband mit reizvoller Darstellung üppiger Blumensträuße, bewohnt von je drei Vögeln, auf den Spiegeln stilisierte Blumen in wesentlich einfacherer Darstellung.

Rückseite des Eingangsblatts mit hs. Vermerken um 1880. Eine Miniatur mit Einriß, eine weitere angeschnitten, einzelne Bll. mit alt restaurierten Einrissen und Randschäden (darunter das letzte Bl. mit großem, hinterlegten Durchriß; wenig Textverlust). Die Farben der Miniaturen etwas durchschlagend, mit etwas Abrieb und Abplatzungen; stellenweise fleckig. Einbandbezug mit kleinen Ausbrüchen und Fehlstellen; beschabt und bestoßen.

Art.-Nr.: BN#33408 Schlagwörter: , , , ,