Herzl, Theodor, Schriftsteller und Begründer des Zionismus (1860-1904). Eigenh. Brief mit U. ("Th. Herzl").

[Wien], 9. IV. 1900.

1 S. 8vo. Auf Briefpapier der "Neuen Freien Presse".

 2.800,00

Unveröffentlichter Brief an einen ungenannten Rezensenten: "Sehr geehrter Herr, Ihre sehr freundliche Besprechung von Gretel habe ich mit aufrichtigem Danke gelesen. Hochachtungsvoll [...]".

Am Samstag, den 7. April 1900 hatte Herzls Vierakter "Gretel" (ursprünglich betitelt "Die sündige Mutter") im Raimund-Theater seine Premiere gehabt. Herzl verfasste ihn während der Vorbereitungen zum Londoner Vierten Zionistenkongreß, denen er nach eigener Aussage weniger Aufmerksamkeit widmete als seinem Schauspiel. Seine Beschreibung der Hauptfigur zeigt überraschende Parallelen zu seiner Auffassung vom Judentum, dessen schlummernde Bestimmung er sich bemühte, seinem Volk zum Bewußtsein zu bringen: "All the gifts and possibilities of the adult woman are already evident in [Gretel]. And it is her peculiar charm that she never knows nor suspects the existence of what is already awake in her. In her glance you read all the measure of intelligence that one needs for life, but, fortunately for her, she does not know what life is [...] She lacks only knowledge, experience, destiny; otherwise she is a complete human being" (zit. n. A. Chouraqui, A Man Alone: The Life of Theodor Herzl, S. 168).

Mit gedr. Briefkopf "Neuen Freie Presse".

Art.-Nr.: BN#37138 Schlagwort: