Chotek, Johann Rudolph Graf von, österr. Staatsmann und Minister (1748-1824). Eigenh. Brief mit U.

Neuhof, 26. V. 1798.

3 SS. auf gefalt. Doppelblatt. 4to.

 350,00

An einen nicht namentlich nicht näher bezeichneten "Freyherrn" als Antwort auf dessen Schreiben "vom 20ten May", das den Privatlehrer Klein betrifft. Chotek benötigt Klein auf seinem Landgut für seine Kinder. Chotek bittet den Adressaten um Verzeihung, da er nichts von Kleins Anstellung als Lehrer beim Adressaten gewusst hatte und er bereits eine Zusage von Klein erhalten habe. Weiter bittet Chotek um einen Kompromiss bezüglich des Termins des Unterrichtsbeginns und erklärt, dass er Kleins Reise von Prag zu seinem Landgut arrangieren würde: "[...| Ich kann Euer Wohlgeboren die Verlegenheit nicht bergen, in welche mich ihr schätzbares Schreiben vom 20ten May, versetzt hat; der Wunsch dieselben zu befriedigen, den ich lebhaft empfinde, stehet in so geradem Wiederspruche mit meinem wirklichen [...] moralischen Bedürfniße, zu welchem mich vätterliche [!] Pflicht auffordert, daß es mir sehr hart fällt dem ersten nicht ganz entsprechen zu können. Durch einen sonderbaren Zusammenfluß höchst ungünstiger Umstände, die ich weder vorsehen konnte, noch dermalen zu haben vermag, finden sich meine Kinder jetzt auch der Gegenwart des ihnen bestimmten geistlichen Hofminsters beraubt, und ich empfinde jeden Tag dringender die Unruehmlichkeit, und Schädlichkeit dieser Ereigniße. Nur der Gedanke daß mit Ende des Junius Herr Klein seinem ausdrücklichen Versprechen gemäß [...] bei mir eintretten [sic!] würde, ließ mir, obschon ich auch diese Frist in dieser Hinsicht sehr lang fand, die gegenwärtige Lage ertragen. Dieselbe noch um 6, 7 Wochen zu verlängern, würde bei diesen Umständen mir mehr als hart fallen. Erwägen Euer Wohlgebohren, daß ich hier auf dem Land in Beziehung auf Unterricht, Aufsicht, und Erziehung dermalen aller Hülfe entblößet, Sie aber, in Rücksicht auf den gymnasial Unterricht, auf welchen dieselben eigentlich drängen, alle mögliche Ressourcen in der Hauptstadt haben, wo es an öffentlichen, und an geschickten privat Lehrern nicht mangelt [...]".

1776 wurde Chotek Hofrat in der böhmischen Hofkanzlei in Prag und dort unter Kaiser Josef II. Hofkanzler, unter Kaiser Leopold II. wurde Chotek im Jahre 1790 Leiter der neuerrichteten Finanzhofstelle und 1792/93 Hofkammerpräsident. Anna Maria Theresia Gräfin von Kottulinsky (1711–1798), die Gattin Choteks war am 26. III. 1798 in Wien gestorben. Sie hatten acht gemeinsame Kinder. Chotek besaß ein Herrenhaus, Neuhof, im Czaslauer Kreise.

Mit geringfügigem Tintendurchschlag.

Art.-Nr.: BN#40685 Schlagwort: