Albutius, Paulus [d. i. Pseud. für Adam Höller?]. Epistola Pauli Albutii ad Iesuitas.

"Paris, Gotthardus Vilarmus" [d. i. Basel, Peter Perna], 1573.

22 SS., l. w. Bl. Buntpapier-Heftstreifenrücken. 4to.

 1.500,00

Seltene erste Ausgabe dieser antijesuitischen Schrift, bibliographisch zumeist dem mehrfachen Apostaten Christian Francke(n) aus dem brandenburgischen Gardeleben zugeschrieben, der sie 1581 in sein - ebenfalls bei Perna erschienenes - "Colloquium Jesuiticum" aufnahm (vgl. de Backer/S. II, 930). Francke trat allerdings erst 1579 aus dem Jesuitenorden aus und dürfte das Pamphlet lediglich anthologisiert haben. Überzeugender hat Manfred Edwin Welti dafür argumentiert, den Autor mit dem 1569 vom Katholizismus abgefallenen Prager Exjesuiten Adam Höller zu identifizieren, der 1570 in Wien an der Pest starb (Höller = Heller = Albutius; Paulus = der Konvertit). "Höller hat sich bei seiner Apostasie nicht mit Türeschlagen verabschiedet, sondern mit einem Mahnbrief an seine zurückbleibenden Ordensbrüder und an den Papst [... Er] lobt zuerst die Verdienste der Jesuiten bei der Wiederherstellung der 'bonae literae', kritisiert dann die völlige Ergebenheit des Ordens gegenüber dem Papst und geisselt die Verurteilung eines Teils der Christen als Häretiker sowie ihre Verfolgung. Er mahnt die Jesuiten, nicht so sehr die päpstliche Macht zu stärken als die christliche Demut zu leben. Mit dem sophistischen Verdrehen der Dinge würden sie die göttlichen Gebote nicht erfüllen. Die 'Epistola' schliesst mit einer langen Verteidigung der Priesterehe und einer Verurteilung des Zoelibatzwangs [...]" (Welti, S. 145f.). Vermittelt wurde der unter falschem Autoren- und Druckernamen sowie -ort produzierte Druck durch den lt. Welti im Alter zu einem überhöhten Verborgenheitsideal neigenden Humanisten G. B. Bonifacio (1517-97), der das Manuskript während eines Aufenthalts in Wien 1570-73 zur Herausgabe erhielt und an Basilius Amerbach weiterreichte; dieser überredete schließlich Perna dazu, das Pamphlet aufzulegen ("Gotthard" = "in Gott hart" = Petrus; "Vilarmus" = "phil-harmos" = "der Ritzenliebende" = Hinterbacke = Perna). Die Druckerzuschreibung wird auch typographisch gestützt (vgl. Welti, S. 144, Anm. 13a).

Etwas wasserrandig bzw. angestaubt; durchgehend mit zeitgenöss. Anstreichungen und kl. Wurmspuren. Seit 1950 nicht im Handel nachgewiesen.

VD 16, ZV 6021 (ein einziger Nachweis: Gotha). Adams A 569. BM-STC French 8. BM-STC German 17. OCLC 40929573, 257439618. Welti, Giovanni Bernardino Bonifacio: Marchese d'Oria, im Exil 1557-1597 (1976), S. 143-146. Vgl. Weller (Pseud.) 13; Holzmann/B. (Pseud.) 7 (beide als Christian Francken aufgelöst).

Art.-Nr.: BN#44217 Schlagwort: