"wenn Sie könnten, sollten Sie kommen"

Arendt, Hannah, Philosophin und Politologin (1906-1975). 2 eigenh. Briefe mit U.

O. O. bzw. [Sorrent], 11. III. 1948 bzw. 3. VII. 1961.

Zus. (½+1¾ =) 2¼ SS. 8vo und gr.-4to.

 2.500,00

I) An Max Strauss, den Cheflektor des Schocken Verlags: "Wie ganz und gar abscheulich! Dies nur um Ihnen zu sagen, wie sehr ich wünsche, dass nun endlich alles gut wird [...]" (1948).

II: Der zweite Brief ist an Strauss' Witwe Hannah gerichtet und berichtet über den Gesundheitszustand ihres Freundes Kurt Blumenfeld, den sie in Jerusalem traf, wo sie am gerade stattfindenden Eichmann-Prozess als Berichterstatterin für den "New Yorker" teilgenommen hatte: "Kurt geht es sehr schlecht und ich glaube - weiss es aber natürlich nicht -, dass er am Sterben ist. Er ist zum Skelett abgemagert, ich kann seine Oberarme mit den Fingern einer Hand leicht umspannen. Die Ärzte sagen: Erweiterung der Speiseröhre. Resultat - ob das nun stimmt oder nicht - dass er nichts essen kann [...] Der Kräfteverfall in den paar Wochen, da ich ihn sah, war rapide! [...] Er liegt meist im Bett, sagt gelegentlich - wenn er hört, wie das Mädchen am Telephon erklärt, Herrn Blumenfeld gehe es recht gut - mit Stentorstimme: 'Herr Blumenfeld stirbt', und kann mit Mühe & mit Hilfe von Stuhl zu Stuhl in der Wohnung sich schleppen [...] Ich schreibe auch, weil Kurt sagte, wenn Sie könnten, sollten Sie kommen. Aber ich weiss nicht! [...] Und wenn Sie nicht bald kommen, ist es vielleicht zu spät. Vorläufig ist er geistig noch gut beisammen [...] Liebe Hannah, dies ist ein trauriger, böser Brief aus einer Stelle, die vermutlich das Paradies ist! Ich mag nichts hinzufügen [...]" (1961).

I: Tadellos. II: Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf des Hotel Cocumella in Sorrent; starke Randschäden.

Art.-Nr.: BN#44621 Schlagwörter: , ,