Über Wiedervereinigung nach dem Tode und seine "Traumdeutung"

Freud, Sigmund, Mediziner und Begründer der Psychoanalyse (1856-1939). Vier eigenh. Briefe und zwei eh. Post- bzw. Briefkarten.

Semmering und Wien, 1927-1935.

Zusammen 7¼ SS. auf 6 Bll. Verschiedene Formate.

 65.000,00

Freundschaftliche Korrespondenz mit einem "verehrten Freund", nämlich seinem Wiener Kollegen, dem Historiker Alfred Francis Pribram (1859-1942). Der erste Brief datiert Semmering, 25. VIII. 1927 und erwidert eine Karte aus Gastein: "Ihre angedachte Absicht mich hier im Sept[ember] vor der Abreise nach Amerika zu besuchen möchte ich aber nachdrücklich unterstreichen. Nicht der schönen Erinnerung zuliebe - Sie wissen, ich glaube nicht an Erinnerungen, welche die persönliche Existenz überdauern - sondern um des gegenwärtigen Bedürfnisses wegen. Je weniger man von der Zukunft erwartet, desto dringender will man erfahren, was der Augenblick bietet, und Sie zu sprechen, wird ein ernstes Bedürfnis befriedigen. Es geht mir considering my many ailments nicht schlecht und ich erfreue mich einer ungewohnten allerdings durch den Sept[em]bertermin begrenzten Untätigkeit [...]".

Der Brief vom 27. 2. 1928 mit einer Empfehlung: "Unter der Voraussetzung, daß die Entscheidung bei Ihnen liegt, bin ich aufgefordert worden, Ihnen den jungen Mann, dessen Gesuch Sie hiemit erhalten, warm zu empfehlen. Ich thue dies unbedenklich [...]".

Unterm 9. V. 1928 übermittelt er den Dank einer Familie Balog und resümiert: "Ich selbst habe unterdess [sic] die Schwelle zwischen dem 72sten und dem 73sten Jahr überschritten, merke aber nicht viel Unterschied".

Der Brief vom 27. XI. 1928 wurde geschrieben, nachdem Pribram Wien vorübergehend verlassen hatte: "[...] An Ihrem Vorschlag zur Korrektur der 'Weltordnung', man sollte den Glauben an eine Wiedervereinigung nach dem Tode haben, mis[s]fällt mir etwas. Ich meine wer diesen Glauben nicht mehr haben kann, soll es nicht bedauern. Vor einigen Monaten hatte ich das Bedürfnis gespürt ein öffentliches Unglaubensbekenntnis abzulegen. Warum eigentlich? Ich weiß es nicht. Die Frucht dieser Regung war ein Büchlein[,] [']Die Zukunft einer Illusion'[,] das ich Ihnen vom Verlag schicken lasse. Nicht grade zum Trost, dazu ist es nicht angethan, sondern weil ich Sie freundschaftlich liebe und schätze[.] Ich gebe eben, was ich habe [...]".

In der Briefkarte vom 28. X. 1929 äußerst sich Freud über seine 1899 "Traumdeutung": "[...] Daß Ihre Vorlesungen großen Erfolg haben, kann mich nicht sehr verwundern. Mehr überrascht bin ich, daß Sie die Interpret[ation] of Dr[eams] lesen, ein difficiles Buch, das ich seit vielen Jahren nicht angerührt habe. Leider muß ich grade jetzt eine achte Auflage davon machen u. schiebe es vergeblich auf ob mir nicht das Schicksal unterdes gnädig sein will [...]".

Die Briefe auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf; von Gebrauchsspuren abgesehen gut erhalten.