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Die ersten Augsburger Drucke in hebräischen Lettern

Böschenstein, Johannes. [Be-sem arba`a ôtîyyôt]. Contenta in hoc libello nuper a Ioanne Boeschenstein Esslingensi edita. Elementale introductorium in hebreas litteras teutonice & hebraice legendas.

(Augsburg, Erhard Oeglin, Mai 1514).

(12) Bll. Mit großer schwarzgrundiger Holzschnittdruckermarke. (Beigebunden): Ders. Benedictio Aaron super populum triplici lingua. [Ebda., 1514]. 1 Bl. Moderner Halbpergamentband über Marmordeckeln. 4to.

Erste Ausgabe.

Das dreisprachig verfasste "Elementale introductorium in hebreas litteras" ist eines der ersten Hebräisch-Lehrbücher in Deutschland, zugleich ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Hebräischstudiums im Reich und die erste in Augsburg auf Hebräisch gedruckte Schrift. "Nach einer kurzen Einführung in die Sprache (Buchstaben, Vokalzeichen, Akzente) folgen verschiedene Übungstexte (Zehn Gebote, Vaterunser, Ave Maria, Credo, Gesang des Simeon u. a.), mit deren Hilfe das Hebräische erschlossen werden soll. Die Texte sind in drei Spalten nebeneinander angeordnet: links der hebräische Text, in der Mitte der lateinische und rechts die deutsche ad-Verbum-Übersetzung" (Dörner, Sp. 235). Ein Teil der Gebete sind von Matthäus Adriani übersetzt.

Auf Initiative Luthers bekleidete Böschenstein 1518/19 die Wittenberger Hebräischlektur; später lehrte er in Heidelberg, Antwerpen, Zürich, Nördlingen und Nürnberg Hebräisch. Böschenstein war Schüler Reuchlins, dem er die vorliegende Schrift auch widmet. Der mit 2. Juni 1514 datierte Widmungsbrief - hier verbunden - ist eine Solidaritätsadresse an seinen Lehrer, in der er die Angriffe gegen diesen (wegen dessen 1511 erschienenem "Augenspiegel") als Angriff auf die Hebraistik insgesamt zurückweist. Böschenstein rühmt sich darin auch stolz seiner Hörer Caspar Amman, Sebastian Sprenz, Heinrich Frhr. von Sax, Johann Schlumpf, Wolfgang Schwarzensteiner, Johann v. Eck, Johann Vögelin u. a.

Beigebunden ist das zweite bekannte Exemplar von Böschensteins Druck "Benedictio Aaron super populum" (hebräisch, lateinisch und deutsch; nicht im VD 16), dessen bislang einziger anderer Beleg einer Münchner Handschrift beigebunden ist. Der Aaronitische Segen ist eine von zwei Übersetzungen aus dem Hebräischen, die der Gelehrte nach Dörner im selben Jahr und beim selben Drucker wie das "Introductorium" als Einblattdruck herausbrachte. "Die zerstreuten Stücke aus dem Gebetbuch sind für jene Zeit charakteristisch" (Steinschneider, in: Zft. für hebr. Bibliographie 2 [1897], H. 2, S. 54, der die "Benedictio" trotzdem noch für ein Fragment hält, ohne ein Druckjahr angeben zu können).

Das erste Blatt des (von rechts nach links laufenden) "Introductoriums" mit zeitgenöss. hs. Kollationsvermerk "principium" am Fuß; das Kolophon am Schluss mit alter Anstreichung in Rötelstift; das Schlussblatt mit kl. Wurmspur im weißen Außenrand, sonst tadellos.

VD 16, B 6356. Adams B 2278. BM-STC German 134. IA 120.982. Steinschneider (Bibl. Handb.) 251. Proctor 10715. Panzer VI, 142, 70. Fürst I, 127. OCLC 889643598. Gerald Dörner, Art. "Böschenstein", in: Deutscher Humanismus Verfasserlexikon I [2008], Sp. 238, Nrn. 1 (Introductorium) & 3 (Benedictio; zu dieser vgl. auch Sp. 234 und 236f.). Steinschneider, Die hebr. Hss. in München (1875), Chm 259, S. 97, Nr. 4 (Benedictio). Vgl. Walde, Christl. Hebraisten, S. 4.