Zwischenkriegszeit im Rauchtempel

[Kollegium Kalksburg]. Rauchtempelchronik.

Wien-Liesing, 1923-1937.

Deutsche Handschrift auf Papier. 64 Bll. Mit 30 einmontierten gedruckten Programmzetteln, 2 einmontierten Zeitungsausschnitten und einem hs. Programm (lose einliegend). Halbleinenband der Zeit. Kl.-Folio (232 x 297 mm).

 1.500,00

Unikales Protokollbuch der Veranstaltungen im sog. Rauchtempel des Wiener Privatgymnasiums Kollegium Kalksburg, geführt von September 1923 bis zum Ende des Schuljahrs 1937, des letzten Schuljahrs vor der (einstweiligen) Auflösung der Schule durch die Nationalsozialisten.

1856 von den Jesuiten gegründet, wurden an dem katholischen "Collegium Virginis Immaculatae" an der Wiener Stadtgrenze vor allem Schüler aus dem österreichischen Hochadel unterrichtet. Im noch heute bestehenden "Rauchtempel", einem anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien errichteten Pavillon im Park, trafen sich Schüler der letzten beiden Gymnasialklassen nicht nur zum gemeinschaftlichen Trinken und Rauchen, sondern sie organisierten auch diverse gemeinsame Unternehmungen und Veranstaltungen: Theateraufführungen, Faschingsfeiern, Vorträge, Ausflüge und Jausen.

Die Handschrift enthält Protokolle der einzelnen Sitzungen: Am Beginn jedes Schuljahrs sind jeweils die Namen der "Rauchtempler" und der gewählten "Amtspersonen" verzeichnet, so Großmeister, Präsident, Vizepräsident und Sekretär. Einer der ersten verzeichneten Beschlüsse lautet: "Damit die Templer immer genug Rauchmaterial haben, werden von jetzt an Zigaretten in größerer Menge eingekauft, die man nach Belieben und um den gewöhnlichen Preis beim Sekretär kaufen kann". Zur Aufführung kamen Theaterstücke unter anderem von Gogol, Nestroy und Shakespeare. Regelmäßig gab es Treffen mit den "Altkalksburgern", und die Maturafeiern wurden feierlich vom "Tempelorchester" begleitet.

Einband berieben, papierbedingt leicht fleckig. Am Vorsatzblatt Etikett der Wiener Papierhandlung Rudolf Sterbenz; mehrfach gestempelt "Rauchtempel Präsidium Kalksburg".