Mit 46 Wappenminiaturen und einem Eintrag von Caspar Schoppe

[Album amicorum]. Album amicorum des Johann Nikolaus Sigmar von Schlüsselberg.

Heidelberg, Ingolstadt, Tübingen, Padua, Venedig, Rom u. a. O., 1601-1613.

57 Bll. mit 71 Einträgen und 46 Wappen in Gold, Silber und Farben, 3 Miniaturen und 1 gedr. Wappen. Roter Samtband um 1800. Kl.-8vo (104 x 164 mm).

 18.000,00

Schönes, durch zahlreiche prachtvolle Wappenminiaturen in kräftigen Farben ausgezeichnetes Freundschaftsalbum eines adeligen oberösterreichischen Studenten und Reisenden.

Johann Nikolaus Sigmar von Schlüsselberg war ein Sohn des aus Württemberg stammenden Hans Georg Sigmar, der 1575 in Linz die Judith Hohenecker zu Hagenberg ehelichte. Sein Lebensweg lässt sich über die Einträge seines Stammbuchs nachverfolgen: Die ersten Einträge stammen aus Tübingen, wo er sich im Jahr 1600 (gemeinsam mit Hans Paul Flusshardt und dem Praeceptor Johann Matthias Däberlin) immatrikuliert. Dort hält er sich bis zum April 1602 auf, anschließend befindet er sich laut einem Eintrag von 1602 "im Feldlager" von Kalkar. 1604 setzt er seine Studien in Italien fort, er schreibt sich am 15. IV. 1604 in Padua ein, am 13. IX. 1604 in Siena. Er bereist Italien, kommt nach Neapel, Florenz, Venedig und Rom, wo sich der vielseitige Barockschriftsteller und katholische Pamphletist Kaspar Schoppe (1576-1649) einträgt.

Von Oktober bis Dezember 1605 ist Sigmar in Krakau, 1607 in Linz und damit auf seinen Gütern, aber 1608 reist er durch Süddeutschland und besucht Heidelberg und Hanau. 1609 lässt er für sein Stammbuch ein prächtiges Frontispiz anlegen. Einträge von 1612 belegen eine Reise nach Kopenhagen, wo er sich als Hofjunker am Hof des Königs Christian IV. aufhält. Gleichzeitig mit ihm ist sein Freund Melchior von Wurmbrand Hofjunker, der später für Gustav Adolf eine Geschützfabrikation in Schweden aufbaut. Längere Zeit hält er sich auch am Hof der Herzöge von Holstein in Gottdorf auf; allein sieben Herzöge tragen sich in sein Stammbuch ein. 1613 unternimmt er eine Reise an die Ostseeküste und besucht Stettin, Köslin, Wolgast und Danzig. Im Jahr 1614 besucht er Schloß Neuhauss an der Elbe, das in Sachsen-Lauenburg liegt und im Besitz der Hannoveraner ist. Dort erhält er einen Eintrag vom Hofkapellmeister Zangius; aber auch von einem "Camerad" im "Hoflager" Neuenhauss. Mehrere Einträge in ungelenker Schrift werden wohl von Waffengefährten stammen. Seine nächste Station ist Yburg, Residenz des Bischofs von Osnabrück.

Mit einem Eintrag vom 9. V. 1616 in Heidelberg enden die Einträge im Stammbuch: Vielleicht hat Sigmar seine Reisetätigkeit abgebrochen, weil die angespannte politische Situation im Vorfeld des Dreißigjährigen Kriegs seine Anwesenheit auf seinen oberösterreichischen Gütern verlangte.

1626 war Sigmar ständischer Hauptmann, Verordneter und Ständegesandter; er verhandelte zur Zeit der bayerischen Okkupation mit dem Führer der Bauernrebellen Fadinger und Vertretern des Kaisers. Vermutlich starb er 1626/27, denn 1628 verloren seine Erben infolge des kaiserlichen Edikts zur Vertreibung der Protestanten ihre Besitztümer.

Zu Beginn das prächtige Frontispiz mit dem Stammwappen und Miniatur. Es folgen Einträge von u. a. Sigmund von Amman; Margarete von Anweil; Rudolf von Bünau; Arndt von Bardeleben; Albrecht von Bheinsky; Zacharias Corvin; Friedrich von Castillon; Arnold von Diepenbroich; Johann Heinrich von Diencken; Friedrich von Eybeswald; Jacob von Ehingen; Giukio Flugio; Johann Frede; Georg und Ludwig Geymann; Jacob von Grünthal; Balthasar von Grünenberg; Sebastian Heinrich Haffner; Ludwig von Halweil; Kilian von Hager; Fritz Ludwig von Haim; Johann Hilmer Haxthausen; Julius von Herkowitsch; Hans Jacob von Herberstein; Ludwig Heinrich von Hoheneck; Hans Philipp Hundt von Lautenbach; Hans Heinrich Hundt zu Kirchberg; Leonhard von Imhoff; Hans Ruprecht Interser; Ludwig von Janowitz; Karl von Jörger; Heinrich Kenze; Achatius Kleist; Georg Korsinsky; Hans Jacob Kurtz; Gabriel Langenmantel; Peter Magnus; Daniel Mavius; Carl Richard von Mickwitz; Ursula von Münchinger; Hans Michael von Obertraut; Jobus Bernhard und Georg Ödt zu Götzendorf; Osinksy; Gundacker von Polheim; Zacharias Prändel; Sigismund Siegfried Promnitz; Hans Conrad Raab von Püntrich; von Reden; Ludwig Sayn-Wittgenstein; Johann Christof Schad von Mittelbibrach; Adam von Schallenberg; Karolina Schiltingen von Canstat; Christian von Schleinitz; Hans von Schwandorf; Philipp Staffel von Falkenstein; Siegfried Friedrich Stain zu Lichtgraben; Dietrich von Starschedell; Theodor Steinhaus; Hans Strake von Kylitz; Johann von Stiegersdorff; Wolf Joseph von Taufkirchen auf Katzenberg; Balthasar von Thanradl; Johann von Tollreigk; Agnes von Veldorf geb. Anweil und Rosina von Veldorf; Johann von Wangelin; Hans Ward zu Hösting; Georg Heinrich von Weltzer; Wolfgang Nikolaus von Windischgrätz; Gustav von Wiesenthau; Karl von Worl; Melchior von Wurmbrandt u. a.

Teils etwas fingerfleckig; vereinzelt geringe Randläsuren. Anscheinend um 1800 wurden sämtliche beschriebenen Blätter des Stammbuchs aus dem vermutlich stark beschädigten ersten Einband entnommen und - mit einigen zwischengeschalteten neuen weißen Blättern zum Schutz der Miniaturen - in einen hübschen Samteinband gefasst, dessen Bezugsstoff heute stärker abgegriffen ist. Fachmännisch neu aufgebunden, durchwegs angefalzt, Schnitt etwas unregelmäßig.

Art.-Nr.: BN#55328 Schlagwörter: , ,