Reck-Malleczewen, Friedrich, Schriftsteller (1884-1945). Ms. Sentenz mit wenigen eigenh. Korrekturen und U., mit eh. ausgefülltem Formularteil und eh. Namenszug.

Pasing (München), o. D.

1 S. Folio (223:282 mm). Albumblatt mit gedruckter Bordüre, gedr. Fußzeile "Beitrag zum Selbstschriftenalbum 'Deutschlands Zukunft'" und gedr. Formular für biograph. Daten, aufgezogen auf einen Bogen Pergamentpapier (ca. 330:344 mm).

 350,00

"Deutschlands Schicksal hängt davon ab, ob es bereit ist, nach sechzigjähriger Selbstverhimmelung, Selbstbespiegelung und Pharsendrescherei [!] Einkehr bei sich zu halten und - die Konsequenzen daraus zu ziehen. Ob es in seinem übel missverstandenen Amerikanismus noch fähig ist, seiner blühenden Verniggerung Wiederstand zu leisten. Ob es noch fähig ist, sich darauf zu besinnen, dass Staaten nicht Aktiengesellschaften mit einer brüchigen Fassade sozialer Phrasen sind. Sondern Gebilde, die um die Trias Landschaft, Idee und Schicksal sich gruppieren [...]". Geschrieben als Beitrag für die von Friedrich Koslowsky im Berliner Eigenbrödler-Verlag herausgegebene Faksimile-Anthologie "Deutschlands Köpfe der Gegenwart über Deutschlands Zukunft" (1928).

Der elitäre Bohémien Reck gehört insbesondere durch sein seit den 1930ern verfasstes, erst posthum 1947 erschienenes "Tagebuch eines Verzweifelten", in dem er mit der Barbarei des Nationalsozialismus abrechnet, zu den Vertretern der Inneren Emigration. Er starb nach einer Denunziation seines Verlegers im KZ Dachau. "Der Exzentriker, ein bekanntes Original der Münchner Bohème, der sich aus Vorliebe für den Adel selbst als Aristokrat ausgab, war Mitbegründer des Tukan-Kreises" (NDB XXI, 233). Seine teils abenteuerlichen selbstbiographischen Angaben sind kritisch zu betrachten: "Forschungen von A. Kappeler zeigten [...], daß Reck unter 'Pseudologia phantastica' (krankhaftem Lügen) litt, und der Wahrheitsgehalt seiner Aussagen zur eigenen Person daher als begrenzt anzusehen ist" (ebd.).

Koslowsky 154.

Art.-Nr.: BN#55531 Schlagwort: