Aus den Spelunken Hamburgs nach Alaska: "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück"

Skopinski, Adolf, Abenteurer (fl. 1900-1920er). "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück. Abendteuern in den Amerikas. Buch 6. III. Theil". Eigenhändiges Manuskript.

O. O., um 1920.

Deutsche Handschrift, Tinte auf Papier. 93 (recte: 103) einseitig beschriebene Bll. 4to.

 2.850,00

Umfangreiches Fragment der Memoiren des aus Deutschland gebürtigen Adolf Skopinski, der im Jahr 1900 von Hamburg-St. Pauli nach Amerika ausgewandert war, um dort als Goldsucher sein Glück zu finden. In Alaska erlebte er die Zeit des Goldrausches, insbesondere den Fairbanks Gold Rush der Jahre 1902 bis 1911. Er hielt sich in Iditarod auf, zur Zeit des Goldrausches einer der bevölkerungsreichsten Orte Alaskas sowie Versorgungshafen und Verkehrsknotenpunkt (heute eine Geisterstadt). Von Skopinski existiert ein kanadisches Patent für ein Gerät zum automatischen Entleeren von Aushubschabern ("Means for automatically dumping excavating-scrapers") aus dem Jahr 1910. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte Skopinski nach Deutschland zurück, schrieb seine hier in Teilen vorliegenden Memoiren und versuchte, sie von dem Journalisten und Schriftsteller Alfred E. Johann als Buch veröffentlichen zu lassen, was jedoch misslang.

In dem hier vorliegenden Buch 6 sehen wir Skopinski nach seiner Ankunft in New York, wo er Horn kennenlernt, einen Ringkämpfer vom Rhein, der als "Zahn Athlet" tätig war und "Steine mit der Faust" brach (S. 9), und dessen Freundin Babette - "eine Bayerin, sie war eine Köchin gewesen, ein gut aussehendes, strammes starkgliedriges Mädchen mit blitzenden Augen" (ebd.) -, mit der er Ringkampf übt, um als "Hauptnummer" aufzutreten (S. 10). Durch Vermittlung eines gleichfalls ausgewanderten Landsmannes, der in Deutschland Gutsverwalter gewesen, aber "in Schwulitäten" (S. 18) geraten war, findet er wenig später eine Stelle als Rausschmeißer ("Baunzer") in einem Kabarett in der 14ten Straße - "in New York der Hauptbummelplatz. All die besseren Kabarets, Ballets, Kaffees, Restaurants waren da vertreten, die Unter- und Halbwelt fanden da zusammen […] Die Damen, die ihre Liebe für Münze verkauften, die Kellner, die verkrachte Barone oder fortgejagte Offiziere waren" (S. 14). Dort wird er in eine Messerstecherei mit einem betrunkenen Italiener verwickelt (S. 19), was ihm den Posten gehörig vergällt. In Staten Island nimmt er daraufhin eine Stelle als Bartender an (S. 20), später eine als Bootsmeister und Hausgehilfe in einem Hotel in Hoboken (S. 21 ff.), und landet schließlich wieder in seinem "Logierhaus" (S. 30) in New York, wo man ihm rät, "in die Eisenarbeit zu gehen und Sky Scraper (Wolkenkratzer), die damals gerade im Entstehen waren, zu bauen" (S. 31): "Und jeden Tag war etwas los, Finger, Hand, Arm, Bein gequetscht, zwei mal in der Woche hatten wir Abstürze, wo der Körper zur Masse wurde, meistens Irländer, die sich Muth antranken und dadurch von oben fielen" (S. 32).

Die Gründung der Gewerkschaft für Eisenarbeiter erlebt Skopinski ebenso hautnah mit wie gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen gedungenen Schlägern der "Compagnie" und Gewerkschaftern (S. 35 ff.); einem Mordanschlag entgeht er knapp ("Ich hatte Verdacht auf einen Irländer", S. 38). Um wieder seines Lebens sicher sein zu können, verlässt er New York und will nach Honduras oder Venezuela gehen, entschließt sich dann aber nach Stationen in Philadelphia und Baltimore, als Tramp durch die Lande zu ziehen. Über Charleston, West Virginia gelangt er so nach Richmond, Virginia (S. [52]), wo er Arbeit in einer Brauerei findet (S. 67 ff.), den Zudringlichkeiten eines Priesters heftigen Widerstand leistet (S. 82) und ein Techtelmechtel mit einer verheirateten Frau unterhält, die seinetwegen Mann und Kinder verlassen möchte (S. 83). Vor ihr Reißaus nehmend, gelangt er über Raleigh, North Carolina und Savannah, Georgia mit dem Schiff schließlich nach La Guaira in Venezuela, womit das vorliegende Kapitel endet.

Sämtliche Zitate in harmonisierter Umschrift. Die ersten Blatt im rechten oberen Rand etwas fleckig, sonst gut erhalten. Beiliegend eine auf Baumrinde gezeichnete Postkarte, die Skopinski als Goldgräber zeigt, sowie 1 Portraitphotographie von ihm aus späteren Jahren.

Art.-Nr.: BN#56204 Schlagwörter: , ,