"meine Tochter Anna ist gewiß angenehmer anzusehen und anzuhören als ich"

Freud, Sigmund, Mediziner und Begründer der Psychoanalyse (1856-1939). Eigenh. Brief mit U. ("Freud").

Grundlsee (Salzkammergut), 3. VIII. 1930.

1¾ SS. Gr.-4to. Mit eh. adr. Kuvert. Beiliegend der Erstdruck der Briefe von Paquet und Freud, des Textes der Widmungsurkunde und der von Anna Freud verlesenen "Ansprache im Frankfurter Goethehaus" in: Die Psychoanalytische Bewegung. II. Jg., Sept.-Okt. 1930, Heft 5. 103 SS. (SS. 417-519). Bedruckte Originalbroschur. 8vo.

 9.500,00

Schöner Brief an den Schriftsteller, Journalisten und damaligen Sekretär des Kuratoriums des Goethe-Preises Alfred Paquet (1881-1944), der ihn in einem Brief vom 28. Juli d. J. davon in Kenntnis gesetzt hat, dass ihm der mit 10.000 Reichsmark dotierte Goethe-Preis der Stadt Frankfurt verliehen werde. "Ich bin", antwortet Freud, "durch öffentliche Ehrungen nicht verwöhnt worden und habe mich darum so eingerichtet, daß ich solche entbehren konnte. Ich mag aber nicht bestreiten, daß mich die Verleihung des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt sehr erfreut hat. Es ist etwas an ihm, was die Phantasie besonders erwärmt und eine seiner Bestimmungen räumt die Demütigung weg, die sonst durch solche Auszeichnungen mitbedingt wird [...] Zur Feier nach Frankfurt kann ich leider nicht kommen, ich bin zu gebrechlich für diese Unternehmung. Die Festgesellschaft wird nichts dadurch verlieren, meine Tochter Anna ist gewiß angenehmer anzusehen und anzuhören als ich. Sie soll einige Sätze verlesen, die Goethes Beziehungen zur Psychoanalyse behandeln und die Analytiker selbst gegen den Vorwurf in Schutz nehmen, daß sie durch analytische Versuche an ihm die dem Großen schuldige Ehrfurcht verletzt haben. Ich hoffe, daß es angeht, das mir gestellte Thema: 'Die inneren Beziehungen des Menschen und Forschers zu G.' in solcher Weise umzubeugen, oder Sie würden noch so liebenswürdig sein, mir davon abzuraten [...]". Die feierliche Verleihung fand am 28. August im Frankfurter Goethe-Haus im Rahmen eines Festaktes statt.

Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf und eh. Antwortvermerk von Paquet in Bleistift; im linken Rand gelocht (keine Textberührung). Das beiliegende Exemplar der "Psychoanalytischen Bewegung" mit eh. Widmung und U. von Walter Muschg, der darin den Aufsatz "Freud als Schriftsteller" veröffentlicht hatte (SS. 467-509): "Frau M. Forster herzlich zugeeignet | W. Muschg".

Art.-Nr.: BN#56361 Schlagwörter: ,