Rainer, Arnulf, Maler (geb. 1929). Eigenh. Brief mit U., 2 eh. Brief mit Monogramm und eine eh. Postkarte mit Monogramm. ("A. Rainer", "A.", "R.").

Wien und o. O., 8. XII. 1964, 2. II. und 19. VII. 1965, Poststempel unleserlich.

Zus. 5½ SS. auf 4 Bll. Folio, 4to und Qu.-8vo. Die Postkarte mit eh. Adresse (getilgt).

 4.800,00

An eine Geliebte namens Katrin, die er mit "Liebes Katrinchen", "Mein liebes kleines Katilein" oder "Meine liebe Freundin" anspricht, mit Umwerbungen, Geständnissen seiner Hingabe und der Planung ersehnter Zusammenkünfte. Rainer analysiert in der Kennenlernphase nicht nur den Beziehungsstatus, sondern warnt auch vor ungewollten Schwangerschaften durch Mitbuhler: "Natürlich habe ich mir den Kopf zerbrochen, wie ich Dich endlich kriegen kann. Es ist mir aber eingefallen, daß es dazu noch zu früh ist [...] Nimm Dich nur vor eifersüchtigen Buben in Acht. Die platzieren den armen Mäderl in ihrer Verzweiflung oft ein Baby. Ich habs gesehen und glaube allmählich die halbe Menschheit ist so entstanden [...]" (8. XII. 1964).

Über sein Bedürfnis nach brieflichem Gedankenaustausch, einem möglichen Treffen am Ostberliner Bahnhof, der Unsicherheit, ob seine Liebe erwidert werde, und dass er in Katrin eine potenzielle Künstlerehefrau erkenne: "Obwohl Pläne über Beziehungen, die nach Deinem Brief ungewisser wie ein Windhauch sind, glaube ich doch, daß meine Gefühle am 10. Februar sicher dich umarmen möchten. Vielleicht wollen die Deinigen auch so irgendwas [...] Wenn mir vor Deiner Engherzigkeit auch oft schwindelt, glaube ich doch daß in Dir eine Person im Werden bist, von der man einiges erhoffen kann. Bezüglich von Qualitäten wie sie Künstler halt bei ihren Frauen brauchen [...] Übrigens ich glaube ich liebe Dich [...]" (2. II. 1965).

In einer Stimmung des Gefühlsüberschwangs, mit einigen Streichungen zu Papier gebrachter Brief: "Den Rest Deines schüchternen Briefes habe ich völlig ausgefüllt, jetzt ist es sehr heiß und mach mich krank vor Verlangen nach Dir [...] Du bist eine sehr sehr liebe Person und wenn Du fähig bist in Dir ein treues stetiges Feuer brennen zu lassen haben wir eine Zukunft. Ich mache jetzt auch Punkte, weil ich so intime Sachen Dir nicht zu schreiben getraue, wenn ich auch die ganze Zeit daran denke, und ich sie Dir noch einmal ins Ohr flüstern werde [...]" (19. VII. 1965); es folgen zweieinhalb Zeilen stetig größer werdender Punkte.

Zu wenig erfreulichen und mäßigen Arbeitsfortschritten, mit einer Art Mahnung zur Treue am Schluss: "Ich arbeite viel bin aber über alles eher unglücklich und laufe mit Ungenügen herum. Ich hoffe Du bist brav und kauft Dir keine neuen Schuhe, sonst drücken Dich die Alten [...]" (Poststempel unleserlich).

Arnulf Rainer hatte nur wenige Jahre zuvor mit Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser das "Pintorarium" gegründet, das als Dépendance zu Rainers Atelier im Dachgeschoß der Wollzeile 36 fungierte, und die so berüchtigte wie öffentlichkeitswirksame Übermalung eines im Wolfsburger Rathaus ausgestellten prämierten Bildes der Künstlerin Helga Pape durchgeführt. In seine Westberliner Zeit in der Wilmersdorfer Straße, in deren Zusammenhang die Bekanntschaft mit Katrin wohl zu sehen ist, fällt eine 1964 eröffnete Ausstellung Rainers in der Galerie Springer.

Die Postkarte mit gedr. Absenderadresse "Wollzeile 36". Ein Brief mit montiertem nostalgischem Relief-Klebebildchen mit Liebesspruch.

Art.-Nr.: BN#56702 Schlagwörter: ,