Aus dem Jahr der Erstaufführung des "Ring des Nibelungen"

Wagner, Richard, Komponist (1813-1883). Eigenh. Albumblatt mit U. in einem Autographenalbum, angelegt zum Gedenken an die ersten Bayreuther Festspiele vom 13. bis 30. August 1876.

Bayreuth, 1876.

41 beschriebene Seiten mit über 130 Einträgen. Braun-violetter Leinenband; in den Deckel eingelassen ist eine zeitgenössische Photographie Wagners. Goldschnitt. 8vo.

 18.500,00

Unikales Stammbuch aus dem Jahr der ersten Bayreuther Festspiele mit den eigenhändigen Unterschriften fast aller Sängerinnen, Sänger und Orchestermitglieder, die an den ersten drei Aufführungen des "Ring des Nibelungen" mitgewirkt haben. Der erste Eintrag stammt von Wagner selbst: "Es lebe das Prager Museum! / Richard Wagner / Bayreuth / am Ende der Tage / 1876". Von den Hauptdarstellern sind zu erwähnen Franz Betz (Wotan), Albert Eilers (Fasolt), Albert Niemann (Siegmund), Heinrich Vogl (Loge), Gustav Siehr (Hagen), Georg Unger (Siegfried), Max Karl Schlosser (Mime), Eugen Gura (Donner und Gunter), Karl Hill (Alberich), Lilli und Marie Lehmann sowie Minna Lammert (als Rheintöchter), Mathilde Wekerlin (Gutrune) und Amalie Materna (Brünnhilde). Ferner haben sich eingetragen Wagners Nichte Johanna Jachmann-Wagner, die sich vier Jahre zuvor von der Bühne verabschiedet hatte und nur noch hier einmal zu hören war (in den kleinen Rollen der Schwertleite und ersten Norne), Louise Jaide (als Waltraute), Marie Haupt (die Freia im "Rheingold", die Gerhild, eine der Walküren, in der "Walküre" und der Waldvogel im "Siegfried"), Josephine Scheffzsky (die zweite Norne), Rudolph Engelhardt (der abwechselnd mit Georg Unger den Froh im "Rheingold" sang), Friederike von Sadler-Grün (die dritte Norne), Franz von Reichenberg (der Fafner in "Rheingold" und "Siegfried"), Joseph Niering (der Hundings in der "Walküre"), Gustav Siehr (der Hagen in "Götterdämmerung"), Hans Richter (der die ersten Aufführungen des "Ring" dirigierte), der Ballettmeister Richard Fricke (der neben Wagner die Regie übernommen hatte), der Maler, Buchillustrator und Kostümbildner Carl Emil Doepler (der sämtliche Kostüme entworfen hatte) sowie der Violinist August Wilhelmj (den Wagner als Konzertmeister berufen und dem er zudem die Aufgabe übertragen hatte, ein 108 Musiker starkes Orchester für die Aufführung zusammenzustellen).

Nachgebunden ist das Faksimile des dreiseitigen Briefes, mit dem Wagner im Dezember 1874 C. E. Doepler zur Mitarbeit an den ersten Bayreuther Festspielen eingeladen hatte. Diese fanden dann vom 13. bis 30. August 1876 statt und konnten eine stattliche Zahl illustrer Gäste begrüßen, unter ihnen Franz Liszt, Anton Bruckner, Karl Klindworth, Camille Saint-Saëns, Peter Iljitsch Tschaikowski, Edvard Grieg, Leo Tolstoi, Paul Lindau, Friedrich Nietzsche, Gottfried Semper, Kaiser Wilhelm I., Kaiser Pedro II. von Brasilien und König Karl von Württemberg. Auch König Ludwig II., Wagners maßgeblicher Sponsor, hatte vom 6. bis zum 9. August die Generalproben besucht und war zum dritten und letzten Aufführungszyklus nochmals nach Bayreuth gekommen. Weiters liegt dem Album ein Brief von nicht identifizierter Hand bei, in dem um bzw. nach 1908 festgehalten wurde: "Dieses Album enthält die Unterschriften sämtlicher Mitwirkenden auf der Bühne wie im Orchester bei den ersten Aufführungen in Bayreuth 1876. Am Kopf 1 Seite von Rich. Wagner".

Stellenweise leicht gebräunt und fleckig; der Einband an Kapitalen, Ecken und Kanten etwas angeplatzt und berieben, im ganzen jedoch gut erhalten. Ehemals in der Sammlung Fritz Donebauer, Prag, die 1908 von J. A. Stargardt in Berlin versteigert worden war.

Art.-Nr.: BN#58900 Schlagwort: