Mit Tristram Shandy für die moderne Architektur!

[Bothmer, Carl Frhr. von]. Betrachtungen und Einfälle über die Bauart der Privatgebäude in Teutschland.

Augsburg, Conrad Heinrich Stage, 1779.

(4), 44, (2) SS. Mit gest. Titelvignette und 60 (davon 21 gefalt.) Kupfertafeln von Wohnhäusern im Grundriss und Querschnitt.

(Beigebunden) II: Schübler, Johann Jacob. Acht Tabellen von der alten Civilbaukunst. Nürnberg, Christoph Weigel, 1783. (4) SS. Mit 8 Kupfertafeln. Halblederband der Zeit über braunen Wolkenkleisterdeckeln mit goldgepr. Rückenschildchen und Fileten. Buntpapierspiegel. Folio (245 x 378 mm).

 4.800,00

Erste Ausgabe, noch 1824 wiederaufgelegt. Seltener, so gewitzter wie angriffslustiger Beitrag zur Architektur von Privathäusern unter dem Gesichtspunkt der Aufklärung: "Wer den Tristram Schandy gelesen hat, dem erlaube ich auch, das Bauen mein Steckenpferd zu nennen; wiewohl es mir leid wäre, wenn meine Risse nicht brauchbarer seyn sollten als Onkel Tobys Fortificationen und Belagerungen auf dem Bosselplatze" (S. 5). Gerichtet gegen die Nachahmung der Architektur der Renaissance und der südeuropäischen Tradition, verspottet das Werk die "Symmetromanie" klassizistischer Manier und nimmt Partei für praktische, bürgerliche Bauweisen. "[Bothmer's] ironic voice puts him outside the serious, tradition-bound tone of most architectural treatises. Given his advocacy of buildings never much included in serious treatises, Bothmer can only write as someone who does not belong to the architectural profession [... He] has something of the know-nothingism of the healthy bourgeois, albeit in the context of the Enlightenment drive to eliminate prejudice and to encourage independent thought [...] Bothmer [was] writing for an educated, nonaristocratic class that had never made the grand tour but had encountered instead only regional examples of classical buildings" (Purdy, S. 42f.).

II: Beigebunden ist die letzte Originalausgabe der "Acht kurtzgefaßten Tabellen, in welchen die antique Architectur enthalten" (1732), ein Werk des sowohl von Theoretikern als auch Praktikern viel gelesenen Nürnberger Barockbaumeisters Johann Jakob Schübler (1689-1741). Die 24 Profile auf acht Tafeln zeigen Gesimse, Giebel, Säulenbasen und Kapitelle. Selten; über OCLC nur im Getty Research Institute nachweisbar. Ein Nachdruck erschien noch 2017.

Einband etwas berieben, Kapitale bestoßen und mit Gelenkeinrissen. Innen etwas gebräunt bzw. stellenweise leicht fleckig; ein Textblatt mit alt hinterlegtem Einriss.

Aus der Bibliothek des Piaristen von Vác (Waitzen) in Ungarn mit hs. Bibliotheksvermerk des 18. Jhs. am Titel, kl. Stempelung verso und Waitzener gedr. Bibliotheksetikett des 19. Jhs. am vorderen Innendeckel. Dieses Exemplar, das einzige im Handel nachweisbare, wurde 1972 auf der ersten Auktion von Hartung und Karl angeboten, wo es der aus Wien gebürtige Denkmalforscher Othmar Birkner (1937-2020) erwarb (sein Exlibris am vorderen Vorsatz) und aus dessen Nachlass es nun wieder auf den Markt gelangt.

I: Ornamentstichslg. Berlin 2031. Holzmann/B. I, 6286. D. L. Purdy, On the Ruins of Babel (Ithaca, 2011), S. 42f. VD 18, 14406837. OCLC 311286651. II: OCLC 82265965.

Art.-Nr.: BN#59353 Schlagwörter: , ,