Kokoschka, Oskar, Maler, Graphiker und Schriftsteller (1886-1980). Eigenh. Brief mit U.

[Villeneuve (Vaud)], 18. I. 1960.

2 SS. 8vo. Mit eh. adr. Kuvert. Ohne den im Text erwähnten "beigelegten Brief".

Auf Anfrage

An den österreichischen Unterrichtsminister Heinrich Drimmel über den Erhalt der von Adolf Loos erbauten Villa Müller in Prag: "Darf ich Sie bitten den beigelegten Brief zu lesen und eventuell die 'Unesco' dafür zu interessieren dass das Adolf Loos Haus als Museum bestehen bleibt. Daß ich mich an die cechische Kulturstelle wendete, wie im Briefe vorgeschlagen wird, wäre zwecklos und vielleicht sogar schädlich. Zufällig und gleichzeitig mit diesem Schreiben berichtete mir ein Bekannter, der kürzlich mit Frau Ing. Müller in Prag gesprochen hatte, daß der alten Dame, die seit 25 Jahren das Haus betreut hatte, Delogierung droht, die Möbel und Bilder enteignet werden sollen. Ob das Volkswohl diese Maßnahmen bedingt oder ob Frau Müller ideologisch nicht linientreu war, weiß ich nicht, jedoch wäre eine freundliche Vorstellung in Prag seitens der österreichischen Regierung zeitgemäß, wenn bald des 90. Geburtstages dieses Pioniers des modernen Bauens in der gesamten Kulturwelt gedacht werden wird [...]". Weiters über die Nachfolge des aus der kunsthistorischen Fakultät ausscheidenden Karl M. Swoboda.

Die von Adolf Loos und Karel Lhota gemeinsam errichtete Villa des Bauunternehmers František Müller wurde nach dessen Tod 1951 von dessen Witwe allein bewohnt. "In dieser Zeit des beginnenden Sozialismus verfiel die Villa weitestgehend, da nur zwei Räume im ursprünglichen Sinne genutzt wurden, während die anderen kommunistische Institutionen beherbergten. Nach der Samtenen Revolution kaufte die Stadt Prag das Haus und ließ es nach überlieferten Fotografien von 1998 bis 2000 rekonstruieren bzw. revitalisieren. Das Gebäude ist heute ein Museum" (Wikipedia).

Das Kuvert mit montiertem Adressschildchen.

Art.-Nr.: BN#60507 Schlagwort: