Vay, Nikolaus Baron, Staatsmann (geb. 1802). 2 eigenh. Briefe mit U.

Patak, 1. VIII. 1861 bzw. o. O. u. D.

Zusammen 6 SS. auf Doppelblättern. 8vo. Ein Br. mit eh. Adresse.

 300,00

An den Mediziner Rudolf Rt. von Vivenot (1807-84): „Ich war eben im Begriffe ab zu reisen, als ich Ihre und Ihrer lieben Frau freundliche Einladung erhielt - demnach bleibt mir für diesmal nichts Anderes übrig als Ihnen für Ihre Güte recht herzlich zu danken u. Sie zu versichern, daß auch uns es sehr glücklich machen würde, wenn Sie mit Ihren Lieben uns besuchten [...] In Pest blieb ich kaum ein Paar Tage und hatte vor lauter Ovationen [?] die Flucht ergriffen; - nicht besser erging es mir zu Hause, wo eine Deputation der Linken [?] folgte; - so daß ich für einige Zeit hier in Patak, bei der Fürstin Breyerlein-Schwarzenberg ein Asyl suchte [...]“ (Br. v. 1. VIII. 1861).

Baron Vay war zur Zeit des Choleraaufstandes königlicher Kommissar für die Komitate Borsod, Hevés, Neográd, Gömör, Tarna und den Distrikt Jazygien, 1846 bevollmächtigter Zivil- und Militärkommissar zur Bewachung der nördlichen Grenze Ungarns während des galizischen Bauernaufstandes und 1848 königlicher Kommissar in Siebenbürgen. 1850 schlug er eine ihm von der Wiener Regierung angebotene Stelle eines Gouverneurs von Ungarn aus, wurde zwei Jahre später zum Güterverlust und zum Tod verurteilt, jedoch begnadigt und kurze Zeit in Haft gehalten. 1859 trat er infolge des Protestantenpatents hervor, erwirkte die Zurücknahme desselben und die Wiedereinsetzung der protestantischen Kirche Ungarns in ihre Rechte und ward 1860 zum königlich ungarischen Hofkanzler ernannt, von welcher Stelle er jedoch 1861 zurücktrat. 1884 wurde er zum Präsidenten des ungarischen Magnatenhauses ernannt.

Rudolf Rt. von Vivenot gründete 1848 den "Konstitutionell-monarchistischen Verein"; als sich die angestrebte Gründung einer patriotischen Partei nicht verwirklichen ließ, zog er sich jedoch aus der aktiven Politik zurück. Seit 1868 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, wurde er 1872 Vorsitzender des Komitees zur Gründung des Sophienspitals in Wien; daneben war Vivenot Direktor des Unterstützungsvereins für Witwen und Waisen des medizinischen Doktor-Collegiums.

Auf Briefpapier mit gepr. Briefkopf.

Der undat Br. mit gr. Ausr. durch Öffnen der Verschlußmarke (minimale Buchstabenberührung).

In altem Sammlungsumschlag.

Art.-Nr.: BN#9631 Schlagwörter: ,