[Niederösterreich]. - Räuberhauptmann Grasl. "Chronologischer Ausweis uiber die von dem am 19. November 1815 im Wirtshause zu Martersdorf bei Horn gefänglich eingezogenen berüchtigten Räuber Johann Georg Grasel verübten [...] 202 Verbrechen".

Wien, 7. XII. 1816.

14 SS. auf 8 Bll. Folio. Geheftet.

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Ein von Stabsauditor Höllinger verantwortetes detailliertes Verzeichnis von Ort, Zeit und Umständen der Johann Georg Grasl (1790-1818) zur Last gelegten Verbrechen, davon 194 "noch als Civilist" und "die letzten 8 Diebstähle aber nebst der Desertion als Soldat". Beginnend am 17. März 1806 mit einem Diebstahl in Raps, besteht die überwiegende Mehrzahl von Grasls Verbrechen aus Diebstählen, daneben finden sich auch die Tatbestände Raub und Totschlag. Eine sehr ausführliche Schilderung der Geschehnisse findet sich nach einem am 3. April 1813 in Streitdorf verübten Diebstahl: "[H]ierwegen wurde Jo. Ge. Grasl gleich am nächsten Morgen bei Mallebern durch den ihm zu Pferde nachgekommnen Hausknecht Joseph Reich aus Ober Hollabrunn, nachdem er diesen mit seinem beigehabten Messer 2 leichte Wunden versetzt hatte, angehalten, und unter Arrest zum Landgericht nach Schönborn geführt, alldort auch untersucht, weil er aber, um aus jenem Arreste früher wegzukommen, fälschlich für einen Deserteur von Würzburg [...] sich ausgab, und daselbst unter dem Nahmen Franz Schönauer gedient zu haben, vorbrachte, so ist solcher ohne weitern sammt dem mit ihm eingezogenen Ignatz Stangl dersertirten Unter Canonier vom 2ten Feld Artillerie Regimente in das hiesige Staabs-Stockhaus eingeliefert, von hier dann wegen Complicitas mit erwähntem Arrestanten Stangl dem bemeldeten Artillerie Regimente zur Untersuchung übergeben worden, aus dessen Cassern am Rennwege er gleich in der ersten Nacht mittels gewaltsamer Erbrechung des Stockhaus Fensters entwich [...]".

Die letzte hier enthaltene Eintragung datiert vom 10. November 1815, wo er in Echsenbach wieder einen Diebstahl zu verantworten hatte.

Mit voranschreitendem Alter verstärkt dem Trunk zuneigend, wurde Grasl schließlich durch ein Komplott in einem Wirtshaus durch Opium außer Gefecht gesetzt und verhaftet; der Hauptgrund für das am 31. Jänner 1818 vollzogene Todesurteil ist die in dem vorliegenden Verzeichnis als Nr. 148 numerierte Straftat aus Zwettl vom 18. Mai 1814 "Räuberischer Todtschlag und respec. Raubmord".