Revel, Hugo Alphonse, auch Hugo Neumann, Schriftsteller (1867-1909). 3 gedr. Visitkarten mit insg. 44 eigenh. Zeilen, Datum und U.

Berlin, 23.V. und 28.V. [18]92 bzw. 27.VIII. [18]93.

Zusammen 6 SS.

 135.00

"Was sagen Sie zu dieser Infamie des Vorgehens des Radovic? Jetzt will dieser Hund nicht einmal 'Die Liebesrasende' und 'Kleine Schlange'[,] 6 Hefte von mir, eine Übersetzung, herausgeben, eine Übersetzung, die nirgends im Contract ihm gehört. Dann die Drohung! - Kann ich diese Bestie nicht auf Schadenersatz klagen, wegen Verzögerung der Lieferung? Dann das mit den Correcturbögen! - Ja, heiliger Gott, da kommt ja der größte Blödsinn heraus! - So darf er's ja doch gar nicht drucken [...] Es hängt viel davon ab, daß mein erstes Werk nicht gleich als ein Blödsinn erscheint.

Das kann meine ganze Carriere ruinieren [...]" (Visitkarte, dat. 23.V. [18]92). Am 28.V. desselben Jahres schreibt er über seinen Namen: "Revel nenne ich mich, nicht weil ich mich des Namens Neumann schäme, sondern weil er mir ekelhaft ist [...]".

Interessante Brieffolge des jungen, 1867 in Wien geborenen Schriftstellers, der nach dem Studium der Rechte, einjähriger Offizierslaufbahn und gerade erfolgter, ausschließlicher Hinwendung zum Beruf des Dichters sich nicht ganz unbegründet Sorgen um seine weiteren Karriereverlauf zu machen scheint. Geißlers 'Führer durch die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts' urteilt 20 Jahre später schon recht unbarmherzig über ihn: "Es fehlt die dichterische Durchgestaltung an sich reizvoller Stoffe, es fehlt aber auch der künstlerische Takt, der vor Übertreibungen bewahrt [...] Die Mode und die Spekulation auf niedere Instinkte, die alle unselbständigen Naturen packt, trieben ihn in die Dekadenz" (zit. n. DBA II 1066, 205).

Zwei der Karten mit schwachem Wasserrand in der oberen Ecke.

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