[Napoleonica]. "Wir Franzosen [...]". Zeitgenöss. Manuskript in deutscher Sprache.

O. O., [um bzw. nach 1806].

2½ SS. auf Doppelblatt. Folio.

 300.00

Satirische Schilderung eines Komplotts gegen Erzherzog Karl von Österreich-Teschen, den Kommandanten der österreichischer Armeen in Süddeutschland, Norditalien und in der Schweiz und Präsidenten des Hofkriegsrates, der als bedeutender Reformer des kaiserlichen Heeres in die Geschichte einging und später (1809) als Generalissimus Napoleon in der Schlacht bei Aspern eine erste Niederlage auf dem Schlachtfeld bereiten sollte - nur um kurz darauf in der Schlacht von Wagram seinerseits zu unterliegen. Die hier vorliegende fiktive Vorgeschichte des Dritten Koalitionskrieges 1805 endet mit den "Greulen der Verwüstung", in die das Heilige Römische Reich und namentlich Österreich geraten war, und mit dessen Ende durch den die Krone des Reiches niederlegenden Franz II.

"Wir Franzosen in Wien Sieger! rühmen uns hiemit öffentlich, es hat uns i[m] vorigen Krieg Millionen gekostet, den Erzherzog Karl von dem Kom[m]ando der deutschen Armeen zu entfernen. Der Kabinet[t]sminister Kolloredo, der den Erzherzog nie gewogen war, hat zu dessen Beseitigung alles beigetragen und die Spedition übernommen, die von pariser Wechselhäusern nach Wien über Hamburg zahlbar angewiesenen Summen unter die Theilnehmer der Kaballe zu repartiren. Vorzüglich war die gräfliche Frau Gemahlin des Kolloredo als oja der kais. Kinder sehr geschäftig bei diesen für Frankreich sehr heilsammen Werken, um den Sturz des Erzherzog zu bewirken. Das[s] also Karl in den Augen beider Majestäten immer gefährlich dum[m], und nervenkrank erscheinen würde [...]".

Anschließend folgt eine Schilderung der sukzessiven Demontage des Erzherzogs: "Was der Erzherzog Karl als Kriegsminister und Hof-Kriegsrathspresident zum Vortheil für das österreichische Militär that, erschien bei dem gesamten kaiserl. Hofrats insubsequent, und für die Person des Kaisers äußerst krittisch. Endlich erschien der Augenblick, wo der Erzherzog aller erlittenen Kränkungen wieder vo[m] Hof-Kriegsrath abtrat, und mit diesem Abtritt erfolgte auch jener des Faßbinders, denn die Engländer wußten daß Karl friedfertigen Sinnes sey. Der täglich besoffene General de Cavallerie Graf Latour erhielt nun das Praesidium des Hofkriegrath[es] [...] Latours Keller wurde immer von den Präsenten des Colloredo und Cobenzl mit den seltenesten Weinen [...] stattlich angefüllt. Der Krieg gegen Frankreich wurde immer mehr und mehr angefacht. Gleich nach de[m] englischen Friedensbruch von Amiens erhielt Colloredo [...] von Prittischen Gesandten ... 20,000£ Sterlings [...]".

Es folgt eine ganze Reihe weiterer finanzieller Aufwendungen für Kriegstreiber bis hin zu Rußland, das mit 8.000.000£ zu Buche geschlagen haben soll.

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