Goebbels, Joseph, NS-Politiker und Reichspropagandaminister (1897-1945). Eigenh. beschriebenes Doppelblatt aus einem Übungs- oder Notizbuch mit siebenfacher U. ("J. Goebbels").

Wohl Bonn, nach April 1917.

4 SS. auf Doppelblatt. Kl.-4to. In Bleistift und Tinte.

 2,000.00

Einigen mathematischen Berechnungen folgt eine zwei Seiten umfassende Schilderung eines Ausflugs der "lustigen Runde in den 'roten Bären'", "wo die alten Herren für die ganze Gesellschaft ein duftendes Mittagsmahl hatten bereiten lassen. Bald saßen alle schmausend um die große Tafel, die unter den alten Bäumen des Gartens aufgeschlagen war, und unter fröhlichen Liedern und Scherzen, unter Reden und Begrüßungen verging nur allzu schnell die Zeit. Für den Nachmittag hatte man einen Ausflug mit den Damen von Ingolsheim zur Burg geplant, die ernst und gerade auf das Städtlein herniederschaute, und bald nach dem Essen war die ganze Gesellschaft auf dem Weg dorthin. Der Zufall hatte unserm Holdrich alsdann das schöne Töchterlein des Bürgermeisters zugewiesen, und Karl Heinz konnte sich nicht genug wundern über die ähnlichen Züge, die dieses Mädchen von seinem Vater geerbt. Dieselbe lustigen blauen Äuglein, derselbe schöne Zug um den Mund, dieselbe schöne, scharf geschnittene Nase, dieselbe hohe Stirn. Ein lustiges Lockengewirr von blondem Haar kräuselte sich widerspenstig um die weiße Stirn dieses schönen Mädchens, und wenn sie über die fröhlichen Scherze ihres jungen Begleiters lachte, so zeigte sie eine Reihe jadeweißer Zähne. Ihre Gestalt war zierlich und fein, und Karl Heinz überragte sie wohl um Kopfeshöhe [...]".

Goebbels war Anfang April 1917 zum Studium nach Bonn gezogen, wo er der katholischen Studentenverbindung Unitas Sigfridia beigetreten war und "Leibbursche" seines neuen Freundes Karl Heinz ("Pille") Kölsch wurde, den er als sein "Ideal" bezeichnete.

Vgl. Peter Longerich: Joseph Goebbels. Biographie. München, Pantheon, 2010, S. 27 f.

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