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Schiele, Egon, Maler (1890-1918). Eigenh. Brief mit U.

Triest, 14. V. 1912.

4 SS. auf Doppelblatt. 8vo. Gedruckter Briefkopf des Excelsior Palace-Hotel in Triest.

Ausführlicher Brief an seinen Schwager, den Maler Anton Peschka (1885-1940), von seiner Ferienreise nach Triest: "[...] Gestern habe ich im Fischerboothafen einige Fischerboote gezeichnet und auch draußen gemalt; es ist eigentümlich wie man mit dem Gemisch auf der Palette die edelsten Farbtöne hervorbringen kann [...] Ich möchte gerne einige Italiener zeichnen die kauern, ich fürchte aber wenn sie davon wissen so werden sie eine unechte Haltung nehmen.

Am Freitag nicht wahr bin ich fort? - Der Semmering gefällt mir nicht es schaut dort kitschig aus die Berge sind eben klein und riffig und schroff und die Bahn und Strasse ist spielerisch angeklebt an manchen Stellen, kurz die Landschaft sieht aus wie von einem Papiermodelierbogen ausgeschnitten und aufgepikt; die Berge sind so wie man die Meiereien zu kaufen bekommt, größer sind dagegen die Höhen herum, aber der Kern ist kleinlich, außerdem diese vielen romantisch kitschig steilen neuen Almhütten und modernen Villen und Hotels. Ganz unorganisch [...]".

Schiele unternahm seine Triest-Reise nach der Entlassung aus der Haft, zu der er wegen eines angeblichen Sexualdelikts verurteilt worden war.

Gedruckt in: Arthur Roessler. Briefe und Prosa von Egon Schiele. Wien 1921, S. 99f. Christian Nebehay. Egon Schiele 1890-1918. Leben - Briefe - Gedichte. Salzburg und Wien 1979, Nr. 350. Egon-Schiele-Datenbank der Autographen, ID 471.