Kühl, Gustav, Kunstschriftsteller (1869-1906). Eigenh. Brief mit U.

Berlin-Steglitz, 15. XI. 1899.

4 SS. 8vo.

 180.00

An den Musikwissenschaftler Richard Batka (1868-1922): "Mit der Streichung des Personennamen bin ich selbstverständlich einverstanden. Auch mit etwaigen Ummodelungen: wenn auch nicht grade gern. Ich glaube nicht, dass man denen die Wolf oder irgend eine neue Kunstgröße nicht auf Anhieb 'verstehen', ‚Oberflächlichkeit' vorwerfen kann. Im Gegenteil: die Leute sind zu ‚gründlich'. Sie sind mit der historischen Tradition so beladen, dass sie sich immer gleich bemühen müssen, das Neuerfahrene irgendwie mit dem ihnen Bekannten in Beziehung zu setzen […]. Kurz, es ist schwer, und je älter wir werden, desto schwerer wird es uns, aus unserer Sphäre herauszukommen. Man sieht den Wald vor Bäumen nicht. Man weiß nichts damit anzufangen. Als ich vor etwas 4 oder 5 Jahren in München von Stradal zum ersten Male einen Satz Bruckner spielen hörte (auf dem Klavier), hatte ich die dumpfe Empfindung von etwas wüst, schlummerhaft Stagnierendem, von unterirdischen Tempeln, die nur im Träume existieren, die man sieht ohne an ihre Götter zu glauben . Kurz, ich zog die Schultern hoch u. begriff's nicht; vielleicht auch, dass ich durch Bülows bedauerliches Urteil etwas voreingenommen war. Das war damals; u. als ich 2 Jahre später selbst mich vor die ‚Romantische' setzte, bin ich mit meinem Flügel in die Wolken getragen ohne es zu merken […]".

Gustav Kühl studierte zunächst Evangelische Theologie, dann Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Kiel und wurde 1899 wurde zum Dr. phil. promoviert. Mehrere Jahre lebte er in den USA und schrieb u. a. einen frühen Bericht über Ragtime in "Die Musik". Nach seiner Rückkehr wurde er Bibliothekar und 1906 Direktorialassistent am Kunstgewerbemuseum Berlin.

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