Dellinger, Rudolf, Komponist (1857-1910). Sammlung von 30 eigenh. Briefen mit U.

Salzburg, Czernowitz und Hamburg, 18.X.1881-24.II.1890.

Zusammen 46 SS. Meist 4to.

 2,400.00

Inhaltsreiche Briefe an den Musikverleger und Künstleragenten Gustav Lewy in Wien. Nach Engagements in Brünn und Prag will Dellinger, seit einigen Monaten in Salzburg, nun “absolut nicht mehr bleiben” - zumal er einsehe, “daß 2 Kapellmeister hier in Salzburg ganz überflüssig sind. Zu was ist ein Operncapellmeister da, wenn keine Opern gegeben werden?” (Br. v. 18.X. 1881) - und bittet Lewy, ob dieser ihm nicht andernorts eine Stelle verschaffen könne. Durch dessen Vermittlung nach Czernowitz gelangt, “erlaube ich mir Ihnen über das hiesige Theater etwas zu berichten. Bis jetzt wurden unter meiner Leitung: Boccaccio, Glocken [...] gegeben [...]” (Br. v. 29.XI. 1881). 1883 kam der in Graslitz (Böhmen) geborene Dellinger schließlich an das 1858 gegründete Carl Schultze-Theater in Hamburg, wo er fast zehn Jahre tätig sein sollte. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten Briefe, in denen Dellinger Ausführliches über seine Tätigkeit daselbst zu berichten weiß. Unterm 17. August 1884 etwa schreibt er dem Verleger: “Hören Sie und staunen Sie! Der Bettelstudent soll in Mexiko in spanischer Sprache aufgeführt werden [...] [Der hiesige Consul] bat mich an Sie zu schreiben, wegen Aufführung, Partitur u. Buch [...]”; am 13. März 1887 etwa notiert er: “Gestern Abend hatten wir Premiere des Vice admirals. Seit ich hier in Hamburg bin, hatte ich noch kein solch’ Premierenpublikum gesehen, wie das gestrige. Das Gros des Publikums war Opposition [...]”.

Neben Werken anderer sind es freilich auch eigene Werke, über die Dellinger - der in Hamburg zu komponieren begonnen hatte - mit Lewy korrespondiert, so etwa über seine erste Operette ‘Don Cesar’, die - 28. März 1885 in Hamburg uraufgeführt - Dellingers Ruhm begründete und die ihm u. a. auch in den USA zu reüssieren verhalf: “Cesar hat hier einen wirklich großen Erfolg errungen, in künstlerischer wie in pekuniärer Hinsicht [...]” (Br. v. 17.IV. 1885). Über die im Jahr darauf uraufgeführte ‘Lorraine’ etwa teilt er dem interessierten Verleger mit, daß er sie bislang “nur für Amerika u. England verkauft habe [...]” (Br. v. 1.VIII. 1886).

Nach diesen für Dellinger so produktiven wie erfolgreichen Jahren in Hamburg wurde der mit der Operettensängerin Anna Maria Eppich (1864-1919) verheiratete Künstler nach Dresden verpflichtet, wo er 1910 im Alter von 53 Jahren geistig umnachtet sterben sollte. “Die Wiener Operettenklassik endete mit dem Schaffen von Dellinger. Allein mit seinem einmaligen Ständchen ‘Komm’ herab, o Madonna Teresa’ (‘Don Cesar’) errang er Weltgeltung und Unvergänglichkeit [...]” (MGG XV, 1751).

Gustav Lewy (1824-1901) hatte lt. ÖBL die älteste Theateragentur Österreichs betrieben.

Einige der Briefe mit gedr. Briefkopf.

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