Stinde, Julius, Schriftsteller und Journalist (1841-1905). Eigenh. Brief mit U.

Berlin, 6. IV. 1894.

4 SS. auf gefalt. Doppelblatt. 8vo.

 80.00

An einen namentlich nicht genannten Adressaten: "Das Anhören guter Musik versetzt mich in Festtagsstimmung, die noch lange anhält und mir Freudigkeit zum Schaffen giebt. Darum besuche ich Konzerte nur selten und mit Wahl. Zuviel Musik nimmt mir Spannkraft. Sollte es Vielen ähnlich ergehen, dann wäre mir die Verschwommenheit und Verschlaffung, die sich auf allen möglichen Gebieten merkbar macht durch den musikalischen Massenbetrieb in deutschen Landen erklärlich. Wer sich von der Musik einwiegen läßt, bei dem verkümmert das Denken, das Wagen und das Handeln. Bismark ist gottlob unmusikalisch. Musikalischer Dilettantismus […] erzeugt ein körperliches Unbehagen […]".

Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.

Nach mehrjähriger Tätigkeit als Journalist (u. a. für die "Spenersche Zeitung", die "Wiener Presse" und die "Fliegenden Blätter") verfaßte Stinde zahlreiche, mit großem Erfolg aufgeführte Volksstücke (u. a. "Hamburger Leiden", 1875, oder "Die Familie Carstens", 1877) für das Carl-Schultze-Theater in Hamburg. Seit 1876 als freier Schriftsteller in Berlin lebend, veröffentlichte er unter dem Pseudonym Wilhelmine Buchholz humorvoll-satirische Schilderungen aus dem bürgerlichen Berliner Alltag.

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