Schlenther, Paul, Publizist und Theaterdirektor (1854-1916). Gedr. Schreiben mit eigenh. U.

Wien, Ende Februar 1910.

1 S. auf gefalt. Doppelblatt. 4to.

 60.00

Abschiedsschreiben von seiner Tätigkeit als Direktor an die Mitglieder des Wiener Burgtheaters: "Nie war ich ein Freund der Bahnhofsträne. Wo geschieden sein muß, scheide man still und schnell. Freilich gibt es einen Platz im Hause: von dem tut Scheiden und Meiden weh. Das ist der Platz am Regietisch […] Nun will ich zu jener ‚Großmacht' heimkehren, die dem Theater so wichtig ist wie andren Gebieten der Öffentlichkeit. Die Erfahrung dieser zwölf Jahre bring ich nun dem kritischen Beruf entgegen, der in unsrer Kunst kaum leichter wiegt als die Berufe des Schauspielers und des Dramatikers. Was mich mitten durch Irrung und Hindernis hier geleitet hat, wird mich dort leiten: die Hoheit der Sache, vor der wir alle gering sind […]".

Paul Schlenther war von 1886-98 neben Theodor Fontane (1819-1898) und als Nachfolger Otto Brahms (1856-1912) Theaterkritiker der 'Vossischen Zeitung', propagierte das neue naturalistische Drama und setzte sich nachdrücklich für das Werk von Ibsen und Hauptmann ein. 1889 Mitbegründer der 'Freien Bühne' Berlin, wurde Schlenther 1898 als Direktor des Wiener Burgtheaters bestellt und kehrte 1910 als Theaterkritiker beim 'Berliner Tageblatt' nach Berlin zurück. Er war Mitherausgeber der deutschen Ibsen-Ausgabe (1898-1904), verwaltete gemeinsam mit Otto Pniower den Nachlaß Fontanes und edierte dessen Briefe. Vgl. Kosch III, 2493.

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