Gotter, Gustav Adolf Graf von, deutscher Diplomat (1692-1762). Schreiben mit eigenh. U.

Wien, 24. XII. 1729.

2 SS. auf Doppelblatt. Folio.

 850.00

Postscriptum an Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg in einer nicht näher beschriebenen "Juden-Sache", die vor dem Reichshofrat verhandelt wurde: "Habe ich die Relation der Juden-Sache sowohl bey dem Herrn Reichs-Hof-Raths Präsidenten [Johann Wilhelm Graf von Wurmbrand], als den beeden refferenten angelegentlich sollicitieret, und mich darunter vernehmlich der Gelegenheit von dem mir gnädigst zugedachten Regenspurger Poste bedienet, worauf mir denn allerorten die feste Versicherung, daß dieser Process noch vor Ostern decidiret und erlediget werden solte, gegeben, und in specie von dem Baron [Nikolaus Bartholomäus] von Danckelmann, an solche Arbeit sich ohnverzüglich zu machen versprochen worden. Da auch der Correferent von Hildeprand dabey mit erinnert wie Er mit vieler andern arbeit überhäuft und durch die Länge der Zeit solchergestalt aus der gehabten Information gekommen, daß Er fast wiederum von neuem anfangen, und alles recapituliren müste, mithin ihme absolument nöthig wäre, daß Er beständig bey dieser Ausarbeitung bleibe, und von dem Herrn Praesidenten um durch andere Affairen nicht interrumpirt zu werden, die Erlaubnis bekäme, 14 Tag bis 3 Wochen aus dem Rath und über solchen Process alleine zu bleiben [...]".

Der aus einer angesehenen bürgerlichen Familie in Gotha stammende G. A. v. Gotter studierte in Jena Rechtswissenschaften und begann seine Beamtenlaufbahn 1715 als Diplomat Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg in Wien. 1720 wurde der geschickte Diplomat herzoglicher Rat und außerordentlicher Gesandter in Wien. 1723 erfolgte die Ernennung zum Hofrat, 1724 wurde er von Kaiser Karl VI. in den Freiherrenstand erhoben. 1728 ging Gotter auf Wunsch König Friedrich Wilhelms I. nach Berlin, wo ihm 1729 als erstem Bürgerlichen der Schwarze Adlerorden verliehen wurde. Die im Brief erwähnte Gesandtschaft von Regensburg wurde ihm ebenfalls 1729 übertragen. 1732 erbat Gotter von Herzog Friedrich III. die Entlassung aus gothaischen Diensten und war fortan als preußischer Minister am Wiener Hof tätig. Friedrich der Große ernannte ihn unmittelbar nach seiner Krönung 1740 zum Oberhofmarschall und Geheimen Staats- und Kriegsrat. Als Gotter 1762 starb, bedauerte der König, mit ihm einen der geistvollsten Männer seiner Zeit verloren zu haben.

Mit zeitgenöss. Registraturvermerken; die rechte Seite mehrfach eingerissen und geknickt (Textberührung, aber kein Textverlust).

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