Ollivier, Émile, Politiker und Staatsmann (1825-1913). Eigenh. Brief mit U.

O. O., 26. VII. 1868.

1 S. auf Doppelblatt. 8vo.

 400.00

Begleitschreiben zur Übermittlung zweier Konzertkarten an einen nicht namentlich genannten Empfänger: "Je m'empresse de vous envoyer pour la séance de demain les deux billets que vous desirez : trop heureux d'avoir cette occassion de vous etre agréable, ces souvenirs de Liszt, du toast que je n'ai pas oublié et de l'Allemagne [...]".

Émile Ollivier war von 1857 bis zu ihrem frühen Tod 1862 mit Blandine Liszt (geb. 1835) verheiratet, der ältesten Tochter von Franz Liszt und Marie d'Agoult. Der Empfänger des Briefes war offenbar ein gemeinsamer Bekannter von Ollivier und Liszt, mit dem Ollivier über den Tod seiner Frau hinaus ein enges Verhältnis pflegte.

Bei der von Betrug und irregulären Eingriffen geprägten Wahl von 1857 noch Teil der als "Les Cinq" bekannt gewordenen republikanischen Opposition gegen die bonapartistische Übermacht näherte sich Ollivier nach gewissen Zugeständnissen zunehmend Kaiser Napoleon III. an. Nachdem er in den 1860er Jahren Regierungsämter ausgeschlagen hatte, wurde Ollivier schließlich selbst von Napoleon III. mit der Regierungsbildung beauftragt. Die Angelobung seines Kabinetts erfolgte am 2. Januar 1870. Als Ministerpräsident drängte Ollivier auf die am 19. Juli erfolgte Kriegserklärung an Preußen; sein am 15. Juli getätigter Ausspruch den Krieg "leichten Herzens" zu erklären sollte ihm später Spott und Häme einbringen. Bereits am 09. August 1870, nach den ersten Niederlagen im Deutsch-Französischen Krieg und noch vor dem Ende des Zweiten Kaiserreichs am 04. September 1870, musste sein Kabinett zurücktreten. Aus Furcht vor dem Volkszorn begab sich Émile Ollivier für drei Jahre ins Exil nach Italien. Nach dem unrühmlichen Ende seiner politischen Laufbahn widmete er sich literarischen Tätigkeiten und dabei nicht zuletzt der Apologie seines Handelns als Ministerpräsident.

Leicht knittrig und braunfleckig. Mit Sammlervermerken in Blei (recto).

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