Münch-Bellinghausen, Kajetan Michael Frh., Staatsmann (1776-1831). Eigenh. Brief mit U.

Brünn, 3. X. 1810.

3½ SS. auf Doppelblatt. 8vo.

 350.00

An einen namentlich nicht genannten Adressaten: "Glücklich, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, sage ich mit Ihnen und Göthe; so ist's beschloßen; dieß wird meine künftige Lebensweise seyn, dieß war auch schon in Krakau meine Art, wie Ihnen wohl bekannt war. Wie macht doch das Unglück alle Begierden und Pläne des Ehrgeitzes [sic] auf ewig verschwinden! Wie gelähmt ist der Schwung meiner Phantasie! [N]ur am Grabe meiner Therese nicht weiter wünscht mein sonst so reger Geist zu weilen. Wie schwer gelingt mir's das Heiligthum meines Grams und Schmerzens [!] der gaffenden Welt zu verbergen. Ich heuchle frivole Munterkeit in Gesellschaften, und werfe die lästigen Carten mit Verachtung hinweg, sobald ich mich allein finde. Hier kannte beynahe Niemand den Schatz[,] den ich verlor; und so täusche ich die Unwissenden. Ich erwarte mit Sehnsucht die Ankunft meiner Kinder um mich ganz in mich zurückzuziehen und den Wissenschaften zu leben [...]".

Der Vater des Dichters Friedrich Halm war eben von Krakau nach Brünn gezogen, um dort eine Stelle als Appellationsrat anzutreten; 1814 sollte er zur Supplierung einer Hofratsstelle bei der obersten Justizstelle nach Wien berufen und im Jahr darauf zum Hofrat ernannt werden.

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