Allemand, Sigismund L', Maler (1840-1910). Eigenh. Skizzenbuch.

O. O., zweite Hälfte des 19. Jhs.

64 Bll., davon 89 SS. mit Skizzen und Zeichnungen (davon 4 doppelblattgroß bzw. in die gegenüberliegende Seite hineinreichend), die Vorsätze gleichfalls mit Skizzen. Grün-blauer Leinenband mit goldgepr. Deckeltitel "Notes", goldgepr. Umschlaglasche, 1 Einsteckfach und Stifthalterung. Kl.-8vo (Blattgröße 123 x 74 mm). Stempel "Nachlass Sig. L'Allemand". Mit einer Beilage.

 1,500.00

Das vorliegende Skizzenbuch enthält vorwiegend Ansichten von Häusern, Kirchen, Dörfern, Kuppen und Landschaften, daneben aber auch eine Anzahl von architektonischen Detailstudien (Dächer, Pilaster, Fenster, Torbögen), mehrere Portraits (ein Klosterbruder, ein Frauenkopf und ein Polizeibeamter oder Soldat) sowie Skizzen von Pferden, Hirschen und einem Löwenkopf.

Auf den ersten Seiten finden sich teils englischsprachige Notizen, aus denen nicht deutlich wird, ob es sich um die Stationen einer Reise handelt, da nur zwei Bewegungen vermerkt werden ("Bridge of Stein […] we arrived there at half past two" und "Sunday the 19th left Linz on bo[a]rd oft he Bavarian steamer 'Queen Mary'"), sonst aber nur Aufzeichnungen anderer Art über Städte und dort Ansässige. Vermerkt sind Salzburg ("Gablerbräu" und "Untersberg"), Graz ("Mariahilf Josefigasse 132 St. Jacob"), München ("Gasthof zum Ober Pollinger Karlsthor - München", "Franziskaner vis à vis der Post", "Schellingstraße No 12"), Walhalla ("248 Stufen Steinmetz Meister Baumgartner") und Nürnberg ("Rössel Gasthaus"). Weiters finden sich darin einige Sinnsprüche ("Wandrer! steh hier still / Und weil ein Wenig hier / Sieh Deiner Reise Ziel / Das bleibt von allem Dir"; "Ohne Trennung kein Wiedersehen / Ohne Tod kein Auferstehen"; "Auf und nieder geht der Eimer / Und die Krüge sind gefüllt; / Doch das Plaudern nimmt kein Ende / Wann wird Neugier je gestillt"; "Ich bin eine Jungfrau wohlgestalt / Und wen ich küß, der wird nicht alt"; "Es eilt das Kind mit leichtem Herzen / Durch seines Daseins sel'ges Glück, / Und läßt dabey von seinen Füßchen / Im Sand kaum eine Spur zurück"; "Dem Jüngling ist das Herz schon schwer / Er trägt noch andre Herzen mit - / Und tiefer drücken sich die Spuren / Im Staube ab bei jedem Schritt") und auf den letzten Bll. eine dreiseitige trivialphilosophisch anmutende Betrachtung ("Gibt es nicht mehr Dinge im Himmel und auf Erden als sich unsere Filosofie träumen läßt? Ein Geist waltet vielleicht in der Luft die wir athmen; die Tiefe unserer Geheimsten Einsamkeit kann von unsichtbaren Wesen bevölkert sein [...]".

Bindung stellenweise gelockert, einige wenige Bll. lose; der Einband abgegriffen und stellenweise leicht angeplatzt.

Beiliegend eine getuschte Bleistiftzeichnung (200 x 115 mm, eine Mutter mit ihrem Kind); etwas angestaubt und fleckig.

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