Kerll, Johann Caspar. Delectus sacrarum cantionum a II, III, IV, V vocibus, cum adjuntis instrumentis [...]

München, Johann Jaecklin, 1669.

8vo. (6), 66 SS. Halbpergamentband der Zeit (unter Verwendung einer Pergamenthandschrift).

 8,500.00

Stimmbuch einer höchst seltenen Originalausgabe, von der laut RISM (K 456) weltweit kein vollständiger Stimmensatz nachweisbar ist. Fünf Einzelstimmen dieses hervorragenden Bavaricums befinden sich in Turin, drei weitere in London. Weder die bayerische Staatsbibliothek noch eine andere deutsche Bibliothek dürfen sich im Besitz dieser Kostbarkeit wissen.

Johann Caspar Kerll (1627-93) machte München erstmals mit dem konzertanten Kirchenstil bekannt, wovon vorliegendes Werk Zeugnis ablegt.

"Besondere Bedeutung kommt den in der Slg. Delectus Sacrarum Cantionum vereinigten geistlichen Konzerten zu; in ihrer geistigen Haltung vornehmlich durch Carissimi bestimmt, zugleich aber dem Schützschen Vorbild verpflichtet, zeichnen sie sich durch einen Reichtum empfindungsstarker Melodik aus, die die mus. Aussprache mit Gott auf einen menschlich freieren und unmittelbareren Ton abstimmt" (MGG).

Kerll nahm 1656, nach Auflösung der Brüsseler Hofhaltung, die Berufung an den kurbayerischen Hof nach München an und wurde schon nach einem halben Jahr der Nachfolger von J. J. Porro als Hofkapellmeister. Von Kurfürst Ferdinand Maria unterstützt (ihm ist die "Delectus Sacrarum Cantionum" gewidmet), gelangte Kerll schnell zu Ruhm und Ansehen in München. Aus seiner Schule gingen u. a. auch A. Steffani und F. X. A. Murschhauser hervor.

In seinem Vorwort äußert sich Kerll sehr verärgert über die vielen Plagiate seiner Werke und kritisiert den Stil seiner Kollegen im In- und Ausland.

Einige Seiten mit durchgehendem Wasserrand. Einband und die ersten und letzten Seiten mit kaum störenden Wurmlöchern in Nähe des Bundes.

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