Elf Gulden für Trencks Lederhose

Trenck, Friedrich von der, Abenteurer und Schriftsteller (1727-1794). Eigenh. Zahlungsanweisung mit U. ("Freyh. v d Trenck mp").

Glatz, vor dem 26. Nov. 1746.

1 S. Qu.-8vo. Im 19. Jahrhundert auf Karton montiert.

 2,000.00

Undatierte, jedoch während seiner etwas mehr als 16 Monate währenden ersten Haft in Glatz ausgestellte Zahlungsanweisung an den dortigen Regiments-Quartiermeister, der "dem Handschumacher" Franz Haedel (?) 11 fl. für ein Paar "Leederne Beinkleider" auszahlen möge; untenstehend Bescheinigung über Erhalt des Betrags durch den Handschuhmacher, datiert 28. November. Am Trägerkarton daruntermontiert alte hs. Provenienzerklärung: "Den 15. August 1855 von dem Pr. Lieut. und Platzmajor zu Glatz, Herrn Hempel erhalten". Aus einer deutschen Privatsammlung der 1920er Jahre; beiliegend zeitgenöss. Sammlungsumschlag. Erworben bei Henrici in Berlin, 6. 9. 1926 (Nr. 658).

Selten so früh: Trenck war noch minderjährig; nur zwei ähnlich frühe, mit Mai und Juni 1746 datierte Stücke sind noch im Handel bekannt (ebenfalls Glatzer Quittungen, in derselben Auktion als Nummern 656 und 657 angeboten). Trenck hatte seinen Arrest durch unvorsichtigen Briefwechsel und Desertionsabsichten, vielleicht auch durch eine schwere persönliche Verfehlung gegenüber Friedrich dem Großen verschuldet (eine ihm nachgesagte Beziehung zur Prinzessin Anna Amalia bleibt unbewiesen). Die Haft auf der Festung Glatz war nicht allzu schwer: "Man setzte ihm zwar den Regiments-Quartiermeister des Fouquéschen Regiments zum Curator, dieser scheint sich aber mit keiner genauen Controlle befaßt zu haben, denn sein flotter Curande mochte wohl das erste Jahr einige tausend Thaler darauf gehen lassen" (Stephani, 137). Am 26. November entfloh Trenck mit Hilfe des wachthabenden Offiziers Schell, der ihn begleitete, aus Glatz; die Regimentskasse beglich Trencks Schulden bei Haedel und anderen und hielt sich an seinem zurückgelassenen Vermögen schadlos, zu welchem Zweck der König am 7. Mai 200 Rthlr. aus der Trenck'schen Masse an Fouqué übermitteln ließ (vgl. Stephani, 138). Später von preußischen Häschern ergriffen, litt Trenck ein Jahrzehnt im Magdeburger Kerker und endete schließlich nach einem an Wirrnissen, Hochstapeleien und ungedeckten Zahlungsanweisungen reichen Leben unter dem Fallbeil Robespierres.

Vgl. Stephani, Über des berüchtigten Friedrich v. Trenck Gefangenschaft in Glatz, in: Neues allg. Archiv für die Geschichtskunde des preuß. Staates 1 (1836), S. 129-139.