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An die "ungekrönte Königin des Café Central"

Rilke, Rainer Maria, Dichter (1875-1926). Eigenh. Gedicht mit Widmung und U. in: Ders., Neue Gedichte.

Leipzig, Insel Verlag, 1914.

(8), 107, (3) SS. Originaler Halblederband mit goldgepr. Rückentitel und Buntpapierdeckeln. 8vo.

Äußerst bemerkenswertes Widmungsexemplar aus Rilkes Zeit im k. u. k. Kriegsarchiv, wo er neben Robert Musil, Alfred Polgar, Felix Salten, Franz Werfel, Stefan Zweig u. a. der sog. "Literarischen Gruppe" angehörte. Das mit "Wien, am 10. May 1916" datierte Gedicht "O Menschenangesicht" (inc.) ist der Mode-Journalistin und Feuilletonistin Ea von Allesch "zum ersten und anderen Theil der neuen Gedichte" gewidmet und fand hier seine erste Niederschrift; später wurde es Teil der "Gedichte 1910 bis 1922" (WKA).

Ea von Allesch gilt als die "ungekrönte Königin des Café Central" (Fischer/Brix) und "Freundin bedeutender Männer, ohne die das Wien seit der Jahrhundertwende schwer vorstellbar wäre" (Corino): "Altenberg betete sie auf seine bekannte Art an, Broch war etwa zehn Jahre lang ihr Lebensgefährte. Rilke widmete ihre ein Gedicht, Klimt malte, Schiele zeichnete sie, d'Albert gab ihr intime Privatkonzerte - hätte diese Frau Memoiren geschrieben und nicht bloß Mode-Berichte, sie hätte etwas zu erzählen gehabt, kaum weniger als Alma Mahler-Werfel oder Bertha Zuckerkandl" (ebd.).

"O Menschenangesicht: aus solcher Fluth | von immer Irrthum immer wieder tauchend, | nichts, nur ein wenig Bleibens brauchend, | trotz allem grüßend, gebend, beinah gut -. | O Menschenangesicht aus solcher Fluth [...]".

L. Fischer, "Über die erschreckende Modernität der Antimoderne der Wiener Moderne oder über den Kult der toten Dinge", in: L. Fischer u. E. Brix (Hg.), Die Frauen der Wiener Moderne (München, 1997), S. 208-217, hier S. 210. WKA: Werke. Kommentierte Ausgabe, Bd. 2. Hg. von M. Engel u. U. Fülleborn (Frankfurt a. M./Leipzig, 1996), S. 151. K. Corino, Robert Musil. Eine Biographie (Reinbek, 2003), S. 656.