Körner, Anna Maria Wilhelmine Jakobine (Minna), Mutter von Theodor Körner (1791-1813). Eigenh. Brief mit U. ("Deine treue Mutter").

[Dresden], 11. III. 1813.

4 SS. auf Doppelblatt. 8vo.

 1,500.00

An ihren Sohn Theodor Körner in Wien, in überschwänglicher Freude über sein Schreiben vom 6. März und zu den Zuständen während der Befreiungskriege. Theodor entschied sich zu dieser Zeit, dem Lützowschen Freikorps beizutreten, und starb im August desselben Jahres als Freiheitskämpfer: "Dein Brief mein theurer Sohn hat mich beglückt, und mir die reinste Kunde gegeben, Du bist wohl, Du bist froh, der theure Vater und Emma gesund, meine Schwester munter, was brauch ich mehr um glücklich zu seyn! Und dies Bewußtseyn giebt mir Muth bey den Stürmen die auf uns einbrechen, und keine Klage soll mir entwischen, wenn Ihr Theuren mir gesund bleibt! - Seit zwey Tagen haben wir Volksaufruhr - der gute Vater wird dir alles erzählen - Ich habe gefunden das ich eine Egoistin bin, denn da ich dich entfernt von diesen Uebeln weiß, und glücklich, und froh - und der gute Vater meine Emma und die Tante um mich sind, so habe ich auch keinen Augenblick Angst gehabt, und die zwey unruhigen Nächte gut geschlafen, ich habe nur Liebe für Euch - sonst mach ich mir aus den Menschen nichts, ob ich gleich gewißenhafft nicht gern was versäume um meinen Mitmenschen bey zu stehen. Wir haben zum Glück einen sächsischen Oberstlieutenant im Quartier mit seinen versuchten Kriegern, denen ich mich bestrebe, die lange Entbehrung vergeßen zu machen, leider hatte ich unter der Manschafft einen Kranken den ich heute mußte in's Lazareth bringen laßen, der arme Teufel, ging mit unentlichem Kummer von uns aber Doctor Seeger drang darauf, weil er kann gerettet werden, wenn er nicht mit aus marschirt. Noch 6 Meilen sind die Rußen entfernt - Morgen oder übermorgen, werden sie wohl da seyn, und wie sie aufgenommen werden werden, diese Stimmung hat sich aus gesprochen in diesen Tagen. Der Detlev [d. i. Graf Detlev von Einsiedel] hatte sie mir zum 11ten versprochen - aber es war nichts. Ein Cosaken Oberster der gegen uns dirigirt ist, Brendel, war vor dem Jahr noch bey der rußischen Gesandtschafft, er ist ein gebohrener Tyroler, er hat sich manchen Spaß erlaubt mit Dresdner Bekannten denen er Briefe geschrieben hat. Ich danke dir sehr für die Ausführlichkeit deines Briefs, er ist mir ein Bild deines Lebens - und mein Geist begleitet dich in den Geschäfften und Freuden deines Lebens. Der geliebten Tony [d. i. die Schauspielerin Antonia Adamberger, Theodors Verlobte] meine besten Grüße, und meine Zufriedenheit, daß Sie wohl ist, und daß ihr bey dem harten Winter das Theater nicht geschadet hat. Leb wohl, geseegnet von deinen Eltern. Der Allmächtige Sey mit dir, und deiner Geliebten! Er sey mit uns. Deine treue Mutter / Daß deine Emma dir ihre Liebe sagt, versteht sich [...]".

Gedruckt in: Theodor Körner's Leben und Briefwechsel, hg. v. A. Wolff (Berlin 1858), S. 281f.

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