[Erster Weltkrieg]. - Staindl, Otto, Militär und Schriftsteller (fl. 1915). Eigenh. Kriegstagebuch mit umfangreichen Korrekturen, im Mappenbund mit zahlreichen Photographien, eh. Übersetzungen und Gedichtmanuskripten.

Verschiedene Orte, 1915-1924.

Zusammen ca. 407¾ SS. auf 120 Doppelbll. und 52 Einzelbll. Meist 4to. In Bleistift mit ca. 87 meist montierten Photographien und Photoabzügen (44:51 bis 170:120 mm), 6 montierten Postkarten (davon 4 koloriert) und 3 Textzeichnungen. Teilweise faden- und klammergeheftet. Kartonmappe der Zeit mit Titelschild und Schnürbändern.

 2,500.00

Mit Aufzeichnungen des österreichischen Hauptmanns Otto Staindl zu Vorkommnissen während seiner Dienstzeit in der k. k. Armee. Der frühe Teil enthält eine berichtartige Zusammenfassung während seines Kommandos über die Arbeiterabteilung Nr. 205 / IR 22 mit Einsatz im Trentino beim Ausbau von Bahnhöfen, Laderampen und Reparaturen an Eisenbahngleisen sowie der Schottergewinnung am Rio Secco. Von der Einquartierung der Truppe im Schloss Aquaviva (Villa Bortolazzi) berichtet Staindl (mit einer eh. Skizze des Schlossgrundrisses und Markierung der Stelle, an der ein Wandstück mit der Schrift Napoleons entfernt wurde): "Ein ergötzliches Intermezzo wird jeden Sonntag durch das Baden der Arbeiterinnenabteilungen im Schloßteich geschaffen. Da baden ca. 30 Weibspersonen u. liegen dann, nur mit Hemd bekleidet auf der Wiese unter meinen Fenstern [...]". Spätere Aufzeichnungen (1917) stammen dann aus dem Grieser Krankenhaus "Sonnenhof", wo Staindl wegen Gelenksrheumatismus, Rippenfellentzündung sowie Schmerzen an Bein und Hüfte eine Licht- und Wärmetherapie ("elektrische Bäder") erhält und die Selbstbehandlung mit einem elektrischen "Thermophor" beinahe zum Brand führt. Staindl äußert viel Kritik an dem Meraner Kommandanten Obstlt. Graf Meraviglia-Crivelli, dem Spitalslesestoff und den militärischen Einrichtungen: "Unseren verknöcherten Spruchgewaltigen fehlt es an Organisationstalent [...]". Auch erinnert er sich an ein Ereignis mit dem Dichter Lt. Arthur von Wallpach, der ihn im Jahr 1894 zum unwissenden Überbringer einer Nachricht an einen gewissen Gronay zwecks "ritterliche[r] Genugtuung" machte; jedoch hatte der eigentlich schuldige Wallpach die Ehefrau Gronays verführt.

Nach seiner Rekonvaleszenz erhält Staindl zu seiner Überraschung das Kommando über das Lager Opine bei Mostar. Detailliert schildert er die Landesbevölkerung, dokumentiert den Lebensalltag in selbst aufgenommenen Photographien und erwähnt die Gefahren im Umgang mit Musliminnen ("Türkinnen"). Ein Waldbrand bei Dobric kann erfolgreich eingedämmt werden. Eigenh. Manuskripte und Entwürfe mit dem Titel "Die lustigen Geschichten des Armand Silvestre. Ins Deutsche übertragen von Wolfram Stinald" (Staindls Pseudonym) enthalten Übertragungen von "Der Flegel" (23. V. 1924), "Das Rosenwunder", "Fait divers arabe" u. a. m. Eine Sammlung eigenh. Gedichtmanuskripte offenbart Staindls dichterisches Können: "Kein Mäntelchen gibts / Die Blöße zu decken, / Die brünstige Gier / vor uns zu verstecken [...]". In eigenh. Listen sind weiters Details seiner Genealogie vermerkt.

Mit zahlreichen eh. Korrekturen und Ergänzungen in Blei-, Buntstift und schwarzer Tinte sowie Redaktionsvermerken. Wenige Notizen teilweise auf militärischen Schriftstücken. Mit einigen montierten und lose einliegenden Zeitungsartikeln, die Photographien und Postkarten meist montiert. Teilweise stärker staubfleckig, die Photographien teilweise stärker berieben.