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"alles eine quälende Beschämung für mich"

Kafka, Franz, Schriftsteller (1883-1924). Eigenh. Postkarte mit U. ("K").

[Prag, 23. II. 1922].

2 SS. (35 Zeilen in Tinte, davon 6 Zeilen Adr. und Name des Abs. von Robert Klopstock voradressiert). 8vo (138:89 mm).

An den mit ihm befreundeten angehenden Mediziner und ebenfalls an Tuberkulose erkrankten Robert Klopstock: "Lieber Robert, ich war eben einige Tage länger in Spindelmühle, wollte von dort nicht mehr schreiben, müde Tage, kurz nach meiner Ankunft kam das Telegramm, die Mutter beantwortete es, daher der sonderbare Wortlaut, dann kam das Telegramm von Pick (mit dem ich böse bin oder er mit mir, er weiss von mir nichts, als dass wir vorgestern auf der Gasse an einander vorübergegangen sind), dann die Briefe, alles eine quälende Beschämung für mich, verzeihen Sie. Heute vormittag kam der Pass, ich ging gleich hin, es ist nicht so einfach, nichts ist so einfach, man sagte mir dieser Pass sei bis zur Höchstdauer der Geltung eines Passes verlängert, es müsse daher ein neuer Pass ausgestellt werden und für den sei eine neue Photographie nötig. Ich behaupte nicht, dass ein befehlshaberischer oder ein diplomatischer Mensch die Verlängerung dieses Passes nicht doch erreicht hätte, meine Klage wegen ihrer Budapester Reise, des direkten Zuges, ihrer Armut wurde nur freundlich aber ohne sonstige Wirkung angehört. Sie müssen also[,] Robert[,] die Photographie schicken, Armutszeugnis haben Sie nicht? […]".

Kafka war am 27. Jänner gemeinsam mit Dr. Otto Hermann auf dessen Anraten und Einladung nach Spindelmühle ins Riesengebirge gereist, wo er u. a. mit der Niederschrift des Romans "Das Schloß" beginnen sollte.

H. Wetscherek (Hg.), Kafkas Letzter Freund. Der Nachlaß Robert Klopstock (Wien, Inlibris, 2003), Nr. 16. Mit Abweichungen abgedr. in M. Brod (Hg.). Kafkas Briefe 1902-1924 (Frankfurt/M., S. Fischer, 1958), S. 372.