[Wolfsberg in Kärnten - Edle v. Stenitzer]. Korrespondenzarchiv der Edlen von Stenitzer. Sammlung von 60 Briefen und Gesuchen, darunter 42 Familienbriefe, mehrere Briefentwürfe und -fragmente sowie 7 Baupläne und Ansichten, 5 Urkunden (davon 4 in begl. Abschrift), 1 Baurechnung u. a.

Wolfsberg, Reichenau, Wien, Eisenerz u. a. O., 1799 bis 1905.

82 Schriftstücke. Zusammen 177 SS. auf 67 Doppelbll. u. 37 Einzelbll. Meist Folio oder 8vo. Einige Dokumente mit papierged. Siegel oder Lacksiegel. In goldgepr. Leinenflügelmappe der Gemischtwarenhandlung "Zum schwarzen Hund" Joseph Voigt & Co. in Wien.

 1,500.00

Umfangreiches Schriftenkonvolut der in Wolfsberg in Kärnten begüterten Edlen von Stenitzer, das die Geschicke der Familie über mehrere Generationen dokumentiert. Die sehr persönliche Familienkorrespondenz, insbesondere aus der Feder des Bergrats Gottfried Stenitzer (1800-72) und seiner Gattin Louise, geb. von Mandelstein (1804-67), an deren gemeinsame Kinder und Schwiegerkinder macht den größten Teil der Sammlung aus. Die Briefe der Eltern zeugen von finanziellen Schwierigkeiten und mahnen zu Fleiß und Sparsamkeit, so etwa Louise an Sohn Karl: "Heuer ist überhaupt ein theueres Jahr, ich denke oft die ganze Nacht wie ich es machen muss um nicht in Schulden zu kommen. Sey nur um gottes himmelswillen fleißig dass du auch bald dein Brod verdienen kan[n]st" (Reichenau, 27. III. 1847). Einige liebevolle Briefe von Gottfried an Louise geben Einblick in seinen Tagesablauf als Bergrat: "Ich bin vom frühesten Morgen bis spät Abends bei den Bergauen, Hämmern, Kohlungen, dann beim Gußwerke und in der Kanzlei beschäftigt, und die Zeit scheint mir zu fliegen. Wenn ich nur mein liebes Weibchen schon hier hätte" (Reichenau, 14. VII. 1843). Unter den Stenitzer Kindern tritt der k. k. Genie-Oberstleutnant Moriz Stenitzer (1829-84) als produktiver Briefschreiber hervor, der etwa seiner Frau Josefine (Pezi) von seinem Aufenthalt in Wien während der Weltausstellung 1873 berichtet: "Ich sah die Trafik der Maria [d. i. ihre gemeinsame Tochter], sie ist die hübscheste im ganzen Wurstelprater, u. auf dem besten Platze gelegen [...] Heute fahre ich nach Hütteldorf, morgen mit Onkel u. Tante den ganzen Tag in der Ausstellung. Auch wegen den Damen und Mädchen Toiletten stellte ich Betrachtungen an u. fand, daß die distinguirtesten am einfachsten u. bescheidensten sind [...] Der russische Kaiser den ich 2 Mahl ganz nahe sah, ist Gestern wieder abgereist, er hatte eine entsetzliche Angst vor einem Attentate, u. verlebte hier qualvolle Stunden" ([Wien], "Sonntag Früh").

Ferner dokumentieren mehrere Baupläne und Fassadenansichten den Umbau des Lindhofs bei Wolfsberg, den Gottfried von Stenitzer am 9. Juli 1863 je zur Hälfte seinem Sohn Moriz und seiner Schwiegertochter Josefine übertrug. Letztere war nach Moriz' Tod 1884 Alleinbesitzerin. Die auf Durchschlag erhaltene Rechnung für den Umbau des Stallgebäudes zu einer Villa durch Josefine von Stenitzer Ende 1897 weist Baukosten von fast 12.000 Gulden aus. Nach Josefines Tod ging der Lindhof 1903 zu je einem Fünftel an ihre Kinder Moriz, Amalie, Maria (Mizzi), Richard und Louise über. Die Briefe von Moriz, der den Lindhof verwaltete, an seine Geschwister geben Aufschluss über die teils prekäre wirtschaftliche Lage des Gutes: "Die Einnahmen seit 1.10.[19]03 stellen sich als bedeutend geringer heraus, als im Jahre 1902. Die Schuld daran liegt, daß das Herrenhaus und die ehemalige List-Wohnung leer stand, die Jansekowitsch Wohnung 1/4 Jahr unvermiethet war und das Obsterträgnis gering ist. Die Hoffnung eine Garnison nach Wolfsberg zu bekommen, wodurch die Wohnungen leicht vermiethet worden wären, ist leider zu Wasser geworden, ebenso haben die Obstbäume bei der Ernte nicht das gehalten, was sie während der Blüte versprochen haben" (o. O., 12. X. 1904). Wohl nicht zuletzt aufgrund dieser Schwierigkeiten und weil keiner von ihnen in Wolfsberg ansässig war, verkauften die Geschwister den Lindhof am 10. Juli 1910 an die Stadtgemeinde Wolfsberg.

Das älteste Schriftstück des Konvoluts ist ein Lehensallodialisierungsbrief von 1799; außerdem sind die Adelserhebung von Gottfrieds Vater, Johann Michael Stenitzer, von 1803 sowie die Aufnahme desselben unter die Kärntner Landstände im Jahr 1815 in beglaubigten Abschriften erhalten. Mehrere Bittschriften, mit denen Gottfried von Stenitzer nach seiner Pensionierung als Bergrat an die österreichischen Behörden und schließlich an Kaiser Franz Josef selbst herantrat, bezeugen Gottfrieds Kampf um die Rückzahlung seiner Dienstkaution. Sein Sohn Moriz stand 1874/75 ebenfalls mit den Behörden in Kontakt, da es offenbar Unklarheiten hinsichtlich der Heimatrechte seiner Angehörigen sowie der am Lindhof Bediensteten gab. Eine Inventur des Intervenientenzimmers in Reichenau und ein Interimszeugnis sowie eine Zusammenstellung einiger Gelenksübungen und ein anonymes Gedicht "Die Karthäuser" runden die Sammlung ab.

Teils mit Randläsuren, wenige Briefe mit größeren Einrissen. Insgesamt wohlerhaltenes, äußerst vielfältiges Nachlasskonvolut einer österreichischen Adelsfamilie. Detaillierte Verlistung auf Anfrage.