Der elegante Magister

[Kant, Immanuel]. Portrait im Dreiviertelprofil. Kopie nach Johann Gottlieb Becker.

O. O., wohl erste Hälfte des 19. Jhs., nach dem 1768 entstandenen Original.

Öl auf Leinwand. 592 x 462 mm. Originale Leinwand auf neuen Keilrahmen gespannt. Gerahmt.

 6,500.00

Schöne, vermutlich nicht lange nach dem Tod des großen Philosophen entstandene Kopie des berühmten "Becker-Porträts", das der Königsberger Maler Becker im August 1768 für die städtische Buchhandlung Gräfe und Unzer anfertigte. Es war das erste Gemälde von Kant und, nach einer heute verschollenen Kreidezeichnung der Gräfin Keyserling von 1755, sein zweites Bildnis überhaupt.

Becker dürfte den 44-jährigen Kant zunächst nach der Natur in einem kleinen Pastell gemalt haben, auf dessen Grundlage er dann zwei ungefähr lebensgroße Gemälde schuf: ein schmeichelndes, in den Gesichtszügen weicheres für den Porträtierten selbst, das lange im "Kantzimmer" des Königsberger Stadtmuseums hing und heute als Kriegsverlust gilt, und für den eigentlichen Auftraggeber ein realistischeres als ernster Philosoph, das 1980 vom Schiller-Nationalmuseum in Marbach aus Privatbesitz erworben wurde. Diesem letzteren Gemälde folgt mit hoher Genauigkeit die vorliegende qualitätvolle Kopie in den getreuen Maßen des Originals.

"Das Porträt ist ungefähr lebensgroß und stellt Kant im Brustbild dar. Der Oberkörper ist schräg zur Bildfläche gestellt, der Kopf stärker gedreht, so daß er freier aus dem Bild herausblickt und etwa im Dreiviertelprofil erscheint. Die Hände sind zur Körpermitte angehoben, wobei sich die rechte auf die linke Hand stützt und ein aufgeschlagenes Buch hält. Die Schrift ist unleserlich [...] Innerhalb des rechteckigen Formats ist das Porträt durch einen ovalen Ausschnitt begrenzt [...] Der Verwendungszweck [als Werbung in einer Buchhandlung] könnte Becker bei seiner Kant-Darstellung beeinflußt haben. Jedenfalls gibt es kein anderes Porträt Kants, auf dem er so demonstrativ ein Buch vorweist. Es ist vornübergekippt, um mit seinen bedruckten Seiten sofort erkennbar zu sein. Gleichzeitig macht sich der Wandel der Porträtauffassung bemerkbar, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich eingeleitet wurde. Es wird nicht mehr ein Stand dargestellt, sondern die persönliche Berufung und die geistige Bedeutung einer Persönlichkeit, die sich in einer freien Ausdrucksgebärde mitteilt. Davon ist bei der steifen Darstellung Beckers noch wenig zu spüren, etwas aber doch schon ansatzweise erkennbar" (Essers).

Von tadelloser Erhaltung.

Vgl. Karl-Heinz Clasen, Kant-Bildnisse (Königsberg, 1923), S. 10-13. Volkmar Essers, "Kant-Bildnisse". In: Immanuel Kant. Leben - Umwelt - Werk. Kat. der Ausstellung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz (Berlin, 1974), S. 39-63, hier S. 42-44. Rudolf Malter, Kant-Ikonographie, Nr. 002.

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