Villers, Charles de, Philosoph (1765-1815). Eigenh. Brief mit U.

Lübeck, 7. XII. 1808.

2 SS. auf Doppelblatt mit eh. Adresse am Gegenblatt verso (Faltbrief). 4to.

 3.500,00

An den Essener Verleger Gottschalk Diedrich Baedeker (1778-1841): "Hier, wo ich, seit einigen Jahren, mein Haupt-Quartier aufgeschlagen, aber immer nur, wie ein herumziehender Beduin, unter einem Zelte, traf mich in diesen Tagen ihr gütiger, schon vom vorig. Sept. dat. Brief, mit den kostbaren, ihn begleitenden, Geschenken. Empfangen Sie für diese Sendung, noch mehr für die herzliche, mir so willkommene Meynung, die sie veranlaßt hat, meinen innigen Dank.

Es sollte mir äußerst schmeichelhaft seyn, wenn ich glauben könnte, daß ich einen Theil dieses Dankes dem würdigen Hn. Prof. [Friedrich Adolf] Krummacher auch schuldig wäre; und daß Er, wenigstens auf eine entfernte Weise, in Ihre gütige Gesinnung eingewilligt hätte? Sey es wie es wolle, so ersuche ich Sie, bey der ersten Gelegenheit ihn von meiner Verehrung zu versichern. Sein trefflicher Gesang hat mich tief ergriffen. Sie haben wohl Recht, es ist reine Deutschheit! - Soll noch einmal die kleine Pièce, wovon Sie erwähnen, gedruckt werden, so wird dieser schöne Hymnus nicht vergessen. Die, durch hohe Einfalt, paradiesische Reinheit, Kraft und Anmuth ausgezeichnete Parabeln, kannte ich längst; und habe sie, vor einem halben Jahre, einem geschickten Manne in Paris zum Übersetzen vorgeschlagen, der mich drum gefragt hatte, 'was er aus dem Deutschen ins Fr. wohl übertragen könnte?' Seitdem aber, habe ich von dem Manne keine Nachricht. Aber wahrlich, leicht ist es nicht eine Feder zu finden, die die ganze Zartheit, Correctheit und Feinheit des Colorits in den Krumm.'schen Parab., wiedergeben könnte. Dazu gehörte ein Florian, oder Bernardin de St. Pierre! - Ich würde es nicht wagen. Doch ein Paar will ich mir wählen, und mit Fleiß bearbeiten, zu einer Sammlung kl. ästhet. Aufsätze, sämmtlich aus dem D. übers., die ich einst herauszugeben gedenke. Sonst kenne ich Niemanden, der Ihrem Wunsche entsprechen könnte - niemanden, der mir Hülfe leisten könnte in meinem schwierigen Unternehmen, die germanische Cultur in Gallien erst bekannt zu machen, und dann, wo möglich, geltend zu machen! - Noch in diesem Winter, hoffe ich Ihnen ein geringes Andenken schicken zu können. Ich bitte Sie es freundschaftlich anzunehmen, als ein Zeichen der Verehrung und Erkenntlichkeit Ihres / Ergebensten / Villers. / - Den Winter 1804-5 habe ich in Mülheim an der Roor [!] zugebracht, wo ich den luth. Hofprediger Hn. De Groote kennen lernte. Lebt noch der wackere Mann, der damals vielen Haus-Leiden ausgesetzt wurde - und haben Sie Gelegenheit dazu, so bitte ich Sie ihn von mir grüßen zu lassen. Ich habe mich schon so viel bemüht, um seine: 'Philosoph. Stücke üb. die Ehe', 1788 in Essen herausgek., und kann das Werkchen nicht bekommen. Ich würde es mit Dank annehmen wenn Sie es, auf Rechnung unsers hies. Buchh.dlers Hn. Niemann, mir verschaffen könnten." - Faltspuren; kl. Ausschnitt von Siegelöffnung (kein Textverlust); leicht angestaubt. Geschrieben während der französischen Besetzung Lübecks, wo sich de Villers 1806 gegen die Ausschreitungen der Armee seines Geburtslands eingesetzt hatte. 1811 wurde der begeisterte Kantianer Professor in Göttingen, wo er bereits studiert hatte.

Art.-Nr.: BN#38351 Schlagwort: