Wittgenstein, Ludwig (Louis), Kunstsammler (1845-1925), Onkel des gleichnamigen Philosophen. Eigenh. Visitenkarte.

[Wien, 30. III. 1896].

2 SS. Kleines Visitkartenformat. In Bleistift.

 750,00

"30/3. 96. Ludwig Wittgenstein [dies gedruckt] Kunstsammler hier ersucht um ein Gutachten bezüglich des Bildes, angeblich von Boltraffio aus der Sammlung v. Dr. Gross, welche soeben zum Verkauf gelangt. Obwohl Dr. Frimmel bei dem Bilde Boltraffio nennt, glaube ich absolut nicht daran. Es ist ein mailändisches Bild, zudem von etwas zweifelhafter Erhaltung. Auf die Frage was man dafür zahlen könnte, geantw: bei besonderer Neigung hierfür 2000 fl., ein 'Mußpreis' wäre weniger".

Zur Sammlung Dr. Carl Gross vgl. T. Frimmel, Geschichte der Wiener Gemäldesammlung, Bd. 2, 1914, S. 76-78. Frimmel vermerkt, daß das dem Leonardoschüler Giovanni Antonio Boltraffio zugeschriebene Gemälde 1896 bei der Versteigerung in der Gartenbaugesellschaft von Ludwig Wittgenstein erworben wurde ("Der gute Lionardeske, der als Boltraffio katalogisiert war, kam zu Ludwig Wittgenstein um 1150 fl."). Bei dem gegenständlichen Gemälde handelt es sich um eine "Madonna mit Kind"-Darstellung, die von W. Suida 1920 dem"Pseudo-Boltraffio" zugeschrieben und als ein höchst zierliches und farbig reizvolles Bildchen der Sammlung Ludwig Wittgenstein in Wien "und als eine Variante der Madonna Urusoff Leonardos" bezeichnet wurde. Vgl. W. Suida, Leonardo da Vinci und seine Schule in Mailand, in: Monatshefte für Kunstwissenschaft 13, 1920, Heft April, bezeichnet 5. 48 und Taf. 10, Abb. 11.

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